Wünscht sich nicht jeder Mensch gesunde Zähne vom ersten Milchzahn bis ins hohe Alter? Selbst wer keine panische Angst vor dem Zahnarzt hat, kann auf Löcher, Zahnschmerzen, Zahnfleischprobleme und all die anderen lästigen Wehwehchen im Mund und Rachenraum verzichten. Schon im Kindergarten gibt es deswegen genaue Anleitungen zum gründlichen Zähenputzen. Doch, dass Zahnpflege noch sehr viel mehr ist als „Nach dem Essen, Zähenputzen nicht vergessen!“ und dass Experten sogar davon abraten direkt nach dem Essen die Zähne zu putzen, das wissen nur die wenigsten. Als ich über das Deutsche Grüne Kreuz erfuhr, wie einfach und vor allem lecker Zahnpflege sein kann, war ich völlig begeistert. Außerdem zeigten mir die Ratschläge der Gesundheitsexperten, dass gesunder Menschenverstand manchmal mehr wert sein kann als hochmoderne Elektrozahnbürsten.

Der Mund als Verdauungsorgan

Wer seine Zähne stärken und schützen möchte, muss zuallererst wissen, was im Mundraum passiert: Der Mund ist sozusagen das erste Verdauungsorgan unseres Körpers. Schon beim gründlichen Zerkleinern der Nahrung durch Kauen und der Befeuchtung mit Speichel werden die ersten Nährstoffe aus der Nahrung heruasgelöst und verstoffwechselt.

Wofor muss man Zähne schützen?

Nun gilt es die „Gefahrenquellen“ zu erkennen: Beim Kauen werden vor allem die niedermolekularen Kohlenhydrate, das heißt diese mit kurzen Molekülketten, gespalten und vom Körper aufgenommen. Bei diesem Stoffwechselprozess entsteht ein saures Milieu auf den Oberflächen der Zähne, was wiederum die Auflösung der Zahnsubstanz herbeiführt. Diesen Vorgang kennen wir alle unter dem Fachbegriff Karies. Dabei löst sich die Struktur der Zähne auf wodurch dem Zahnschmelz wichtige Mineralien wie Kalzium und Phosphor entzogen werden. Es kommt zur Demineralisierung der Zähne. Fruchtzucker und andere Nahrungsmittel, die bei der Verdauung ein saures Milieu erzeugen, beschleunigen diesen Prozess ungemein. Der übermäßige Genuss säurebildender Nahrungsmittel führt also zu einer deutlich schnelleren Demineralisierung der Zähne und erhöht das Kariesrisiko um ein Vielfaches.

Doch die säurebildenden Zucker verstecken sich auch in Nahrungsmitteln, die gar nicht als Süßigkeit gelten. Vor allem Ketchup, Fruchtjoghurts, Fruchtsäfte und Müsliriegel weisen einen hohen Anteil an niedermolekularen Zuckern auf. Klebrige Nahrungsmittel, die lange in der Mundhöhle bleiben, senken den pH-Wert* über größere Zeiträume und sind deswegen besonders kariesfördernd. Zu den klebrigen Nahrungsmitteln gehören neben Lutschern, Bonbons und anderen Süßigkeiten zum Beispiel auch Banane und Honig. Auch beim Verzehr von Nahrungsmitteln mit hohem Gerbstoffanteil wirken Säuren auf die Zähen ein. Rotwein, Schlehen, Rhababer und andere Leckereien hinterlassen deswegen das bekannte stumpfe und belegte Gefühl auf den Zähnen. Der erste Impuls ist dann schnell der Griff zur Zahnbürste und Zahncreme. Doch das sofortige Zähneputzen kann hier den Zähnen schaden. Der durch die Säure aufgeweichte Zahnschmelz kann durch die relativ harten Borsten der Zahnbürste zusätzlich zerstört werden, wodurch die Demineralisierung mechanisch unterstützt wird. Das gilt auch für süße Getränke wie Limonaden, „Sportlergetränke“ und Fruchsäfte.

Einfacher Schutz vor Deminerlaisierung

Und jetzt die einfachen und leckeren Möglichkeiten der Demineralisierung durch niedrige ph-Werte entgegenzuwirken: Entscheidend ist nicht, ob man Zucker ist oder nicht, sondern in welcher Regelmäßigkeit. Gerade klebrige Früchte oder Honig sollten auf keinen Fall vom Speiseplan gestrichen werden. Stattdessen gilt es besonders bei Zwischenmahlzeiten Alternativen zu finden. So freuen sich selbst Kinder über frisches Obst oder knackige Gemüsestreifen. Besonders hilfreich sind Nahrungsmittel, die man richtig gut kauen muss. Das Kauen regt den Speichelfluss an. Speichel sorgt dafür, dass die zahnschädigenden Säuren im Mund neutralisiert werden. Außerdem enthält unser Speichel Mineralien, die in die durch Säuren durchlöcherte Zahnstruktur eingelagert werden und diese wieder festigen. Diesen natürlichen Reparaturvorgang nennt man Remineralisierung. So sind es vor allem Körner und Fasern, also Vollkornprodukte, Obst und Gemüse, die den Speichelfluss anregen und die Festigung der Zahnstruktur unterstützen. Eine abwechslungsreiche, ausgewogene, zuckerreduzierte, ballaststoffreiche Vollwertkost ist also nicht nur gut für den Körper sondern sorgt schon beim Kauen für eine anhaltende Zahngesundheit. Hier kommen auch zuckerfreie, Zahnpflegekaugummis ins Spiel, die die Speichelproduktion ebenfalls enorm stimulieren.

Statt direkt nach dem Essen zur Zahnbürste zu greifen, sollte man den Mund zuerst mit klarem Wasser spülen und nach etwa einer halben Stunde zur Bürste greifen. Ein Glas Wasser nach jeder Mahlzeit spült oberflächliche Schadstoffe von den Zähnen, unterstützt die Verdauung und liefert dem Körper Flüssigkeit. In der halben Stunde Wartezeit wirken die im Speichel enthaltenen Minerale auf die Zahnstruktur ein und festigen Sie soweit, dass sie durch die Borsten der Zahnbürste nicht zusätzlich geschädigt werden.

Da säurebildende Nahrungsmittel den Zähnen durch Demineralisierung und vor allem den Entzug von Kalzium schaden, ist die ausreichende Aufnahme von Kalzium durch Nahrung besonders wichtig für die Zähne. Obwohl Miclhprodukte als gute Kalziumlieferanten gelten ist hier zu beachten, dass tierische Eiweise höchst säurebildend sind und nicht im Überfluss genossen werden sollten. Stattdessen versorgen basische Nahrungsmittel wie grünes Gemüse, Mandeln und stille Mineralwässer mit hohem Kalziumgehalt den Körper mit dem wichtigen Element.

Neben dem Kalzium sind es aber vor allem die Fluoride, also verschiedene Salze, die die Remineralisierung der Zähne unterstützen. Vor allem Kalziumfluorid, Natriumfluorid, Aminfluorid und Natriummonoflourphosphat sind für die Bildung von Knochen und Zähnen unerlässlich, denn sie versiegeln die kaputten Zahngitter und stärken die Zahnstruktur. Außerdem wirken sie der Entstehung von Plaque entgegen, indem sie das Wachstum von Bakterien hemmen. Fluoride bezieht der Körper vor allem durch Nahrungsmittel wie Fisch, Krustentiere, fluoridhaltiges Mineralwasser, schwarzen Tee und Himalayameersalz. Auch viele Zahncremes enthalten einen hohen Anteil an Flouriden um den Aufbau der Zähne zu Unterstützen. Bei den zahlreichen Bezugsquellen von Flourid sollte man darauf achten, den Körper nicht zu überversorgen. Die sogenannte Dentalfluorose, also den zu hohen Fluoridgehalt im Körper, erkennt man vor allem bei Kindern an den typischen weisen Flecken auf den Zähnen. Um dies zu verhindern, sollte man sich für einen Fluoridlieferanten entscheiden anstatt alle fluoridhaltigen Nahrungsmittel und Zahncremes gleichzeitig zu sich zu nehmen und zu verwenden.

Sie sehen also, Zahnpflege geht weit über das Zähneputzen hinaus und kann den ganzen Tag betrieben werden. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der genussvollen Zahnpflege!

 

Ihre Ruth Sonntag

 

* Der pH-Wert ist die Einheit zur Bestimmung des Säure- oder Basencharakters einer Umgebung. Fällt der pH-Wert unter 7 gilt es als sauer. Liegt der pH-Wert bei genau 7 ist die Umgebung neutral. Steigt der pH-Wert über 7 spricht man von einem basischen oder alkalischen Zustand.