Während Frühling, Sommer und Herbst uns Blüten, Früchte und Farben schenken, ist der Winter eine relativ dürre Zeit. Die weiße Jahreszeit bietet uns zwar dann und wann traumhafte Winterlandschaften, aber generell ist das Leben im Winter etwas anstrengender als während des restlichen Jahres. Wenige Farben erfüllen unsere Umwelt von November bis März. Wenige Düfte reizen unsere Sinne. Wenige Lichter erhellen unsere Gemüter. Man kann den weißen Winter jedoch auch als unbeschriebenes Blatt begreifen, dass uns Menschen die Möglichkeit bietet selbst kreativ unser Umfeld zu gestalten. Wo alles weiß und grau erscheint, können Schmuck und Weihnachtsdekoration den Raum zu neuem Leben erwecken. Wenn die Sonne früh untergeht, erhellen Kerzenlichter Räume und Herzen. Wo keine Blüten duften, können Gewürze und Duftstoffe Phantasien und Gefühle anregen.

Gerade die in der Winter- und Weihnachtszeit verwendeten Gewürze für Weihnachtsgebäck, Glühwein und Räucherwerk haben einen großen Einfluss auf unser seelisches und leibliches Wohl. Die typischen Wintergewürze wie Anis, Ingwer, Kardamom und Nelken sind dabei keineswegs zufällig ausgewählt. Neben vielen anderen Nahrungsmitteln haben Wintergewürze eine wärmende Wirkung auf Körper und Seele und helfen uns somit über die kalte Jahreszeit zu kommen. Außerdem wirken viele der weihnachtlichen Gewürze gesundheits- und verdauungsfördernd.  

Die zehn Klassiker der Weihnachtsküche und ihre gesundheitsfördernden Wirkungen können Sie hier nachlesen:

1. Anis (Pimpinella anisum) ist das typische Plätzchen- und Lebkuchengewürz, das mit seinem lakritzenartigen Aroma die Weihnachtszeit einläutet. Das Öl der einjährigen Gewürz- und Heilpflanze wird schon seit der Antike zur Behandlung von Atemwegserkrankungen und Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Ätherisches Anissamenöl hat ein typisch süßes, warmes und weiches Aroma und eine entspannende Duftwirkung. Anis wirkt schleimlösend bei Infektionen der Atemwege und löst Krämpfe im Verdauungstrakt. Ein ganz einfaches Anisrezept ist Anistee gegen Erkältungen oder Magenprobleme. Zerstoßen Sie dazu einfach einen Teelöffel Anissamen pro Tasse und übergießen Sie die zerstoßenen Gewürzsamen mit kochendem Wasser. Lassen Sie den Anissud zehn Minuten ziehen  und trinken Sie bei Atemwegserkrankungen morgens und abends, bei Magen-Darm-Beschwerden mehrmals täglich eine Tasse Tee in kleinen Schlucken.

2. Ingwer (Zingiber officinale) ist eines der wichtigsten Heilkräuter der ayurvedischen Heilkunst und ist ein effektives Mittel gegen Erkältungskrankheiten, Verdauungsbeschwerden, Appetitlosigkeit  und Reiseübelkeit. Ätherisches Ingweröl hat ein feuriges du würziges Aroma und eine erdende Duftwirkung. Bei akuten Erkältungs- oder Verdauungsbeschwerden können Sie 3 Scheiben frischen Ingwer in einem halben Liter Wasser circa 10 Minuten kochen um alle Bitterstoffe und ätherischen Öle zu lösen. Füllen Sie den frischen Ingwersud in eine Thermosflasche um ihn über den Tag verteilt heiß und in kleinen Schlucken zu sich nehmen zu können. Kandierter Ingwer ist eine anregende Nascherei für Zwischendurch, die ganz nebenbei die Lebenskräfte aktiviert.

3. Kardamom (Elettaria cardamomum) gehört zu den ältesten Gewürzen der Welt und wird in der Küche sowie in der Naturheilkunde zur Linderung von Verdauungsproblemen, Harnwegsbeschwerden und für die Mundhygiene verwendet. Das leicht-brennende und ebenfalls typische weihnachtliche Gewürz aus der Familie der Ingwergewächse verfeinert vor allem Lebkuchen, Marzipan, Punsch und Gewürzbrote. Eine Prise gemahlener Ingwer macht Kaffee für den Magen bekömmlicher und den Atem frischer. Sie können sich ein köstlichen und gesunden Kardamomtee ganz einfach selber brühen, indem Sie einige Kapseln Kardamom mit anderen Kräutern , wie Süßholz, Ringelblume und Pfefferminze, mit kochendem Wasser übergießen und kurz ziehen lassen.

4. Koriander (Coriandrum sativum) ist für viele ein typisch südostasiatisches Küchengewürz. Die getrockneten Koriandersamenmit Ihrem fruchtig-zimtigen Aroma sind jedoch auch in der heimischen Weihnachtsbäckerei sehr verbreitet.    Lebkuchen, Spekulatius und Aachender Printen verdanken den Koriandersamen ihren ganz speziellen Geschmack. Doch Koriander verfeinert nicht nur Weihnachtsgebäck, es dient auch der Verdauungsförderung und Nervenberuhigung. Koriandertee hat sogar eine lindernde Wirkung bei starker Migräne. Zerstoßen Sie dafür einen Esslöffel Koriandersamen und kochen Sie sie in 500ml kochendem Wasser. Lassen Sie den Koriandersud 15 Minuten lang köcheln und filtern Sie die zerstoßenen Koriandersamen heraus. Trinken Sie täglich zwei Tassen Koriandersud um Kopfschmerzen zu lindern.

5. Muskatnuss (Myristica fragrans) ist zwar gar keine Nuss, sondern ein Samenkern, doch seine vielversprechende Wirkung auf den menschlichen Organismus ist tatsächlich wahr. Muskatnuss hat eine entzündungshemmende Wirkung, hellt die Stimmung auf und regt den Appetit an. Zu viel Muskatnuss kann jedoch Krämpfe, Schwindel und Halluzinationen auslösen. Deswegen sollten Sie nicht mehr als eine Muskatnuss verwenden. Besonders schmackhaft und wirkungsvoll ist Muskatnuss las kleine Prise in Ihrem Lieblingskräutertee.

6. Gewürznelken (Syzygium aromaticum) erinnern aufgrund ihres besonders intensiven Aromas besonders stark an die Weihnachtszeit. Besonders in Kombination mit Orangenduft werden Erinnerungen an vergangene Winter wach. Doch Nelken haben eine weitaus größere Bedeutung als die Aromatisierung von Weihnachtsgetränken und Gebäck. Nachdem die getrockneten Nelkenknospen lange als magische Heilpflanze verehrt wurden, da ihre Form an die zur Kreuzigung Christi verwendeten Nägel erinnerte,  etablierte sich das Gewürz als Naturheilmittel gegen Zahnschmerzen und Magen-Darm-Erkrankungen. Die ätherischen Öle, vor allem das Eugenol, haben eine extrem schmerzlindernde und beruhigende Wirkung. Außerdem lindern Nelken genau wie Koriander schwere Kopfschmerzen und Migräne. Geben Sie dazu einfach zwei Gewürznelken zu ihrem Rotbuschtee dazu und bereiten Sie diesen wie gewohnt zu.

7. Piment (Pimenta dioica) ist die Frucht des Nelkenpfefferbaumes und wird wegen seiner milden Schärfe vor allem zum Würzen von Wildgerichten aber auch für Lebkuchen und Spekulatius verwendet. Als Heilpflanze hilft Piment bei schmerzhaften Blähungen und stressbedingter Nervosität. Auch Rheumaschmerzen können mit Piment gelindert werden. Kochen und zerstoßen Sie dazu Pimentsamen und geben Sie diese auf ein Baumwolltuch. Legen Sie den Pimentwickel auf die schmerzende Stelle und lassen Sie die ätherischen Öle eine Zeitlang einwirken.   

8. Safran (Crocus sativus) ist eines der kostbarsten Gewürze, denn die zarten Fäden sind nicht s anders als die per Hand geernteten Blütenarben aus den Blüten einer orientalischen Krokusart. Safran färbt Gerichte stark gelb und hat die Eigenschaft die Verdauung von Eiweiß zu fördern. Deswegen wird Safran bevorzugt in Milchspeisen und Desserts verwendet. In der traditionellen Naturheilkunde wird Safran auch eine herzstärkende Wirkung nachgesagt. Ein einfaches aber köstliches Rezept ist Safran Milch. Geben Sie dazu einfach eine Messerspitze Safranfäden in eine Tasse erhitzte Milch und lassen sie beides zusammen etwa zwei Minuten köcheln, bevor Sie die Safranmilch warm genießen.   

9. Vanille (Vanilla planifolia) ist nicht nur der Klassiker unter den Dessertgewürzen, sondern auch ein wirksames Heilkraut. So fördert Vanille die Abwehrkräfte und die Liebeskraft, während es außerdem übermäßigen Appetit zügelt. In der Aromatherapie zeichnet sich Vanillextrakt durch seinen süßes, warmen und balsamischen Geruch und seine erdende Duftwirkung aus.

10. Zimt (Cinnamomum) ist das wohl beliebteste Weihnachtsgewürz. Neben seinem süßlich-herben und würzigen Aroma zeichnet sich Zimt vor allem durch die vielseitigen Wirkungen auf den menschlichen Organismus aus. Zimt wirkt antibakteriell, pilzhemmend, krampflösend, entzündungshemmend und blutzuckersenkend. Ätherisches Zimtrindenöl hat eine erdende Wirkung. Für einen Zimttee gegen Blähungen und Vollgefühlt, zum Beispiel nach dem Weihnachstgansessen, zerkleinern Sie eine Zimtstange und übergießen Sie diese mit 250ml heißem Wasser. Filtern Sie die Zimtrindenstückchen heraus und trinken Sie den Zimtrindentee nach dem Essen.  

Ähnlich wie Gewürze haben auch andere Nahrungsmittel entscheidende Einflüsse auf den menschlichen Körper. So können Sie mit der richtigen Ernährung nicht nur Ihre Verdauung unterstützen oder Stress besser bewältigen. Bewusste Ernährung kann auch das Leben zu verschiedenen Jahreszeiten erleichtern. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird der Ernährung eine weitaus größere Bedeutung zugesprochen, als hier in Europa. So ist man sich in China schon seit Jahrhunderten darüber bewusst, dass verschiedene Nahrungsmittel eine unterschiedliche thermische Wirkung auf den Körper haben. Während manche Nahrungsmittel, vor allem Südfrüchte, den Körper kühlen, haben andere eine wärmende Wirkung auf unseren Körper.   Diese Eigenschaft sollte man sich gerade im Winter zunutze machen, um den Körper und seine wärmenden Körperfunktionen zu unterstützen und zu entlasten. Laut der Traditionellen Chinesischen Medizin leiden Menschen mit dauerhaft kalten Fingern oder Zehen unter einer energetischen Blockade oder Stagnation. Das bedeutet, dass die Energie im Körper nicht ungehindert fließen und deswegen nicht alle Körperteile gleichmäßig mit Energie und Wärme versorgen kann. Um den Energiefluss wieder zum Fließen zu bringen, ist Bewegung besonders wichtig. Doch neben der körperlichen Aktivität sind es auch wärmende Lebensmittel und eine bewusste Ernährung, die den Körper von innen wärmen.

Generell gilt, dass saisonale und heimische Lebensmittel ihren Zweck erfüllen. Wie oben beschrieben sind Südfrüchte meist kühlender Natur. Banane, Ananas, Kiwi und Zitrusfrüchte sollen von Menschen, die im Winter schnell frieren deswegen nur in Maßen verzehrt werden.  Regionales Wintergemüse wie Rote Rüben, Kohl, Kraut, Kürbis, Lauch und Zwiebel jedoch, schenken dem Körper die Wärme, die er nicht mehr von der Sonne tanken kann. Sie versorgen den Körper mit allen wichtigen Vitaminen und stärken die körpereigenen Abwehrkräfte.  Andere saisonale „Früchte“ sind Nüsse, wie Maronen Walnüsse und Haselnüsse, die den Körper von Mensch und Tier im Winter gegen Kälte wappnen. Aber auch Fleisch erfüllt seine körperwärmende Funktion. Besonders die roten Fleischsorten wie Rind, Lamm, Wild und Ente heizen den Körper von innen auf.

Natürlich lässt sich die Traditionelle Chinesische Medizin hier nicht in wenigen Paragraphen vollständig beschreiben, und wer sich für die thermische und energetische Ernährung nach TCM interessiert, sei an einen Experten weiterempfohlen. Wie wir bei der Auswahl der Weihnachtsgewürze sehen, reichen auch die heimischen Traditionen und ein gesundes Körpergefühl um das passende Essen zur jeweiligen Jahreszeit zu wählen. Vertrauen Sie Ihrem Körper und verlassen Sie sich auf die Bekömmlichkeit von regionalen und saisonalen Nahrungsmitteln und Sie werden sehen, wie warm sich der kälteste Winter anfühlen kann.

Viel Spaß beim Würzen und Wärmen wünscht Ihre Ruth Sonntag!