Das Stillen ist wohl eines der ältesten Themen der Menschheitsgeschichte, obwohl man annehmen kann, dass erst die technischen Möglichkeiten und synthetischen Ernährungsalternativen der letzten Jahrzehnte die Diskussionen zum Thema stillen oder nicht stillen richtig aufkochen ließen. In diesem Blogeintrag wird ganz klar die Meinung vertreten, dass das Stillen die gesündeste, ausgewogenste und nährreichste Form der Ernährung für Babys und Kleinkinder ist. Wobei nicht vergessen werden darf, dass aufgrund einer Vielzahl von meist gesundheitlichen Gründen einige Frauen ihre Neugeborenen nicht stillen können, dürfen oder möchten. In diesen Fällen sollten wir natürlich dankbar für die lebensrettenden Alternativen sein und den Fortschritt und die Technik nicht verteufeln. Jedoch gilt es diese Alternativen möglichst erst dann zu nutzen, wenn alle natürlichen Kapazitäten, die sowohl körperlichen als auch seelischen Ursprungs sein können, ausgeschöpft worden sind. 

 

Stillen von Anfang an

Circa 48 Stunden nach der Geburt beginnt der Milcheinschuss, der für viele Frauen schmerzhaft sein kann, da es meist zu einer anfänglichen Überproduktion von Muttermilch in den Milchdrüsen kommt. Die Brüste schwellen an, da sie sowohl mit Muttermilch als auch mit Lymphflüssigkeit gefüllt sind. In dieser Zeit ist es besonders wichtig einen individuellen Stillrhythmus zwischen Mutter und Kind zu entwickeln. Muttermilch wird nämlich auf Bedarf produziert. Das heißt, wenn viel Muttermilch getrunken oder abgepumpt wird, produzieren die Milchdrüsen auch mehr Muttermilch nach. Deswegen ist es so wichtig, in den ersten Tagen und Wochen möglichst wenig in die den natürlichen Stillrhythmus einzugreifen. Stilltees, Milchpumpen oder milchreduzierende Maßnahmen sollten in dieser Zeit vermieden werden, damit sich die Körper von Mutter und Kind ungestört aufeinander einstellen  können. Die Faustregel besagt, dass man das Neugeborene alle vier Stunden stillen sollte, wobei der natürliche Mutterinstinkt und auch das Hungergefühl des Kindes hier auf jeden Fall an erster Stelle stehen sollten.

Vorteile des Stillens für Babys

Keine andere Ernährungsform passt sich so individuell an die Bedürfnisse des Kindes an, wie die Muttermilch. In den ersten 48 Stunden nach der Geburt produzieren die Milchdrüsen noch das dickflüssige, leicht gelbliche und extrem nährstoffreiche Kolostrum. Dieses „Muttermilchkonzentrat“ enthält bereits alle wichtigen Nährstoffe und vor allem die lebenssichernden Antikörper und Stoffe zur Immunabwehr des Neugeborenen. Da die Neugeborenen nach der anstrengenden Geburt noch wesentlich mehr schlafen als trinken, können sie dank der hohen Konzentration an Inhaltsstoffen selbst durch seltenes Trinken genug Nährstoffe aufnehmen, um die ersten ein bis zwei Tage ohne großen Hunger zu überstehen.

In den ersten Tagen nach der Geburt muss sich der Körper des Neugeborenen an all die zahllosen Umstellungen und vor allem auch unbekannten Umwelteinflüsse und Keime schützen, die ihm im Bauch der Mutter noch völlig unbekannt waren. Das Kolostrum und die Muttermilch erfüllen die Aufgabe des Nestschutzes, indem sie dem Baby das Immunsystem der Mutter leihen, bis das eigene Immunsystem aufgebaut ist. Die sogenannten Immunglobine, vor allem das Immunglobin A, auch IgA, hilft bei der Abwehr spezifischer Krankheitserreger. Zusätzlich werden in der Muttermilch abwehrfördernde Enzyme wie Lysozym produziert, die an das Neugeborenen weitergeben werden. Weiterhin schützen die Antikörper das Baby vor Infektionen, Entzündungen des Darms, Atemwegserkrankungen, Entzündungen der Harnwege, Karies, Mittelohrentzündung und Meningitis. Langfristig schützt Stillen Ihr Kind zusätzlich vor Allergien, Asthma, Herzerkrankungen und hohen Cholesterinwerten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt deswegen allen Müttern, Ihre Kinder mindestens vier bis sechs Monate lang zu stillen und somit ein solides und lebenslang starkes Immunsystem aufzubauen.

Die Muttermilch versorgt das Baby beim Stillen mit Vitamin A, C, E und B. Das enthaltene Vitamin K und Vitamin D unterschützen den wachsenden Körper bei der Stärkung der Knochen. Außerdem liefert die Muttermilch dem kindlichen Organismus das nötige Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate und fettspaltende Enzyme, die das Wachstum und die Entwicklung fördern. Und hier liegt ein weiterer entscheidender Vorteil der Muttermilch gegenüber allen anderen Ernährungsalternativen. Durch die fettspaltenden Enzyme und die ständige Anpassung der Muttermilch an das Trinkverhalten des Kindes, sind gestillte Kinder eigentlich nicht zu überfüttern. Das Fettstoffwechselhormon Leptin, das dem kindlichen Organismus signalisiert, wann der Körper ausreichend Milch zu sich genommen hat, unterstützt die Regulierung des Trinkrhythmus. Je mehr ein Kind trinkt, zum Beispiel in den heißen Sommermonaten, desto flüssiger wird die Muttermilch, wohingegen Babys, die wenig trinken die vergleichbare Menge an Nährstoffen, etc mit weniger Flüssigkeit aufnehmen. Es besteht also keine Gefahr von Übergewicht. Doch nicht nur bei der Umstellung vom Kolostrum zur Muttermilch passt sich die Muttermilch den neuen Bedürfnissen und Trinkgewohnheiten an. Während der gesamten Stillzeit ändern sich Zusammensetzung und Beschaffenheit der Muttermilch, um den Bedürfnissen des kindlichen Körpers zu genügen.

Neben den unersetzlichen Grundbausteinen vor allem für das Immunsystem hat das Stillen aber noch einen weiteren nicht zu künstlich zu ersetzenden Vorteil: Die Kieferbewegung des Saugens an der Brust ist um einiges kraftaufwendiger als das Nuckeln an der Flasche. So wird die Kiefermuskulatur beim Stillen sehr viel mehr beansprucht, was sich auf die Gehirnaktivität des Kindes auswirkt. Stillbabys „trainieren“ beim Trinken an der Brust nachgewiesener Weise acht auptstammnerven im Gehirn, während Flaschenbabys nur zwei dieser wichtigen Nervenstränge benutzen und dadurch weiterentwickeln. Spezifische Fettsäuren der Muttermilch fördern die Gehirnaktivitäten zusätzlich und wirken sich tatsächlich auf die Entwicklung der Gehirnkapazität des Menschen aus. So haben dänische Forscher einen durchschnittlich höheren Intelligenzquotienten bei Stillbabys im Vergleich zu Flaschenbabys nachgewiesen.

Vorteile des Stillens für Mütter

Das Stillen trägt ganz essentiell zur Mutter-Kind-Beziehung bei, die nach der Geburt in eine neue Phase übergeht. Einigen Frauen fällt das sogenannte „Bonding“ nach der Geburt nicht so leicht. Beim Stillen werden die Brustwarzen stimuliert, was zu einer Ausschüttung des Glückshormons Oxyticin führt. Dieses Gefühl entspricht dem Kribbeln im Bauch, wenn wir uns verlieben. So ist das Stillen, rein biologisch betrachtet, ein ausschlaggebender Prozess für die Liebesgefühle, die wir für unsere Kinder hegen und unterstützt die Mutter-Kind-Beziehung auf hormoneller Ebene.

Oxyticin stimuliert aber nicht nur die Hormonproduktion, sondern auch die Kontraktionen der Gebärmutter, also eine Art Nachwehen. Diese Muskelarbeit der Uterus ist besonders wichtig für die Rückbildung nach der Geburt und verhindert die Gefahr einer Infektion durch einen möglichen Rückstau des Wochenflusses. Die Weltgesundheitsorganisation WHO belegt außerdem, dass stillende Mütter einem wesentlich geringeren Brustkrebsrisiko ausgesetzt sind, was wahrscheinlich mit der hormonellen Umstellung während des Stillens zusammenhängt.

Ganz praktisch ist das Stillen aber auch eine riesige Entlastung im Alltag. Stillende Mütter müssen weder Milchpulver kaufen, noch Wasser abkochen, Flaschen sterilisieren oder Milch abkühlen lassen. Die Muttermilch ist stets in ausreichender Menge, angenehmer Temperatur und vor allem allzeit und hygienisch vorhanden. Das bringt vor allem nachts und auf Reisen einen großen Vorteil mit sich.

 

Unterstützung bei Stillproblemen

Falls Sie ganz individuelle Fragen zum Stillen haben , oder aber eine Stillberatung brauchen, da das Stillen nicht klappt, wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihre Hebamme, Ihre/n Ärztin/Arzt, eine/n Stillberatier/in oder an eine der folgenden Organisationen zur Unterstützung stillender Mütter:

 

-       La Leche Liga

-       Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen

-       Deutsche Liga für das Kind e.V.