Spagyrik bezeichnet eine Verarbeitung zur Aufbereitung pflanzlicher, mineralischer oder körpereigener Stoffe. Die Methode entspringt der Wissenschaft des Alchemismus und wird zum ersten Mal im 16. Jahrhundert vom Alchemisten und Arzt Paracelsus erwähnt, dessen Anliegen es war die Alchemie vor Verfolgung und schlechtem Ruf zu schützen. Zahlreiche Wissenschaftler beschäftigten sich seither mit der Entwicklung und Anwendung spagyrischer Heilmittel, unter Ihnen auch Isaac Newton und Johann Wolfgang von Goethe. 

Das Wort Spagyrik stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Wortstämmen spao, ich trenne, und ageiro, ich verbinde, zusammen. So bezeichnet der Name der Herstellungsmethode gleichzeitig das Prinzip der Arbeitsweise. In der Philosophie der Spagyrik sollen wichtige, oder reine, von unwichtigen, oder unreinen, Bestandteilen und Wirkstoffen getrennt werden. So soll die spezifische und feinstoffliche Signatur einer Pflanze, eines Minerals oder eines körpereigenen Stoffes extrahiert werden. Dieses Prinzip steht im Gegensatz zu der klassischen Medizin und Arbeitsweise heutiger Apotheker, die Wirkstoffe miteinander vermischen um komplexe Medikamente herzustellen. Wichtig ist, dass die spagyrische Heilmethode bis heute nicht wissenschaftlich anerkannt ist, da ihre Wirkung bis dato nur auf der Placebo-Ebene nachgewiesen werden konnte. Als Erfahrungsheilkunde ist die Spagyrik somit fachlich umstritten.

Übertragen auf die Naturkosmetik sieht die Spagyrik vor, die Selbstheilungskräfte beziehungsweise die natürlichen Körperfunktionen zu begünstigen, also maximal zu unterstützen, aber niemals zu ersetzen. Diese Selbstheilungskräfte sollten aber nicht als spezielle oder spezifische Kräfte des Körpers, also eine gezielte Reaktion des Körpers auf einen Einfluss, verstanden werden. Vielmehr handelt es sich dabei um die allgemeine Heilkraft der Natur im menschlichen Ganzen.  Dazu muss der Mensch als Einheit von Körper, Geist und Seele betrachtet werden. Das Ziel aller spagyrischen Behandlungen ist es deshalb diese drei Elemente der Menschen in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen. Dabei betrachtet die Spagyrik vor allem die ganz tief liegenden Ursachen einer Krankheit oder einer körperlichen Erscheinung anstatt deren Symptome zu unterdrücken.  

Spagyrische Heilmittel, egal ob medizinischer oder kosmetischer Natur, fußen auf spagyrischen Essenzen, die aus Pflanzen, Mineralen oder körpereigenen Stoffen gewonnen werden. In ganz speziellen Herstellungsverfahren, die über die Jahrhunderte stetig ausgebaut und verändert wurden, wird das energetische Potenzial der Ausgangsstoffe potenziert, um den menschlichen Körper in seiner Selbstheilung maximal unterstützen zu können.  So werden in der Spagyrik nicht nur die chemischen Inhaltsstoffe sondern vor allem die verborgene therapeutische Kraft im Inneren extrahiert. Der Herstellungsprozess, der diese Kraft zur Entfaltung bringen soll, entstammt den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Alchemie. Die Herstellungsschritte sollten unter Berücksichtigung kosmozyklischer Abläufe durchgeführt werden. So werden die Einflüsse des Standes von Sonne, Mond und Planeten oft auch schon beim Anbau, der Ernte, der Herstellung und der Abfüllung beachtet.  

Im ersten Schritt muss das Ausgangmaterial einem organischen Auflösungsprozess unterworfen werden. Dabei ist aus alchemistischer Sicht zu beachten, die Wirkung der drei Hauptprinzipien Sal (Körper), Sulfur (Seele, Wesen) und Mercurius (Geist) nicht zu verlieren. Dies kann durch ein chemisches Herauslösen, wie zum Beispiel durch reine Destillation, nicht gewährt werden. Deswegen wird der Ausgangsstoff in der Spagyrik durch Gärung aufgelöst. Als nächster Schritt folgt eine schonende Wasserdampfdestillation , die die flüchtigen Stoffe, also die ätherischen Öle und den Alkohol, konservieren soll. Alle nach der Destillation verbleibenden Bestandteile des Ausgangstoffes werden anschließend getrocknet. Mineralstoffe und Spurenelemente dieser Reststoffe werden durch Veraschung  gewonnen. Spurenelemente und Minderalstoffe werden durch das Herausspülen von ihren organischen Verbindungen gelöst und liegen am Ende der Veraschung in reiner Form vor. Mit diesen drei Herstellungsschritten ist der spao-Teil der Spagyrik vollendet. Alle Bestandteile des Ausgangsmaterials sind voneinander getrennt. Nun müssen die gewonnen, energetisch hochwertigen Bestandteile wieder zusammengeführt werden.

Die entstandenen Destillate und die Spurenelemente der gelösten Asche müssen wieder zusammengeführt werden – ageiro, ich verbinde. Diese Verbindung von Destillat und Asche wird als spagyrische Tinktur bezeichnet, die als Symbol der Vereinigung wie bei Sonne und Mond, Mann und Frau, angesehen werden kann. Aus der spagyrischen Tinktur muss im letzten Schritt eine spagyrische Essenz hergestellt werden. Dies geschieht durch ein- bis anderthalbjährige Zirkulation der Tinktur, also des Destillats und der gelösten Asche. Diese Zirkulation findet durch das wiederholte Destillieren bei niedrigen Temperaturen statt.

In der Naturkosmetik kann man Martina Gebhardt als absolute Vorreiterin der spagyrischen Herstellungsverfahren ansehen. Mit ihrer sehr erfolgreichen Kosmetiklinie Martina Gebhardt Naturkosmetik beweist sie wie wert- und wirkungsvoll die uralten spagyrischen Herstellungsverfahren noch heute sind. Für mehr Informationen zu Martina Gebhardt Naturkosmetik und der Philosophie und Wirkungsweise der Produkte, lesen Sie den Blogeintrag Martina Gebhardt Naturkosmetik – Der Sinn sind wir selbst.