Neurodermitis

Neurodermitis ist eine Art Überreaktion des Immunsystems, die sich letztendlich gegen die eigene Haut richtet. Deswegen sollten Neurodermitis, oder Ekzem, nicht einfach mit Symptombehandlungen „bekämpft“ werden, sondern dieser körperlichen Reaktion wirklich auf den Grund gegangen werden. Natürlich ist der Wunsch, den akuten Juckreiz und eventuelle Hautentzündungen schnell zu lindern, sehr verständlich. Vor allem wenn Kinder unter Neurodermitis leiden, ist es für die Eltern schwer geduldig zu sein. Doch genau das, Geduld, ist oft der Schlüssel zu einer wirklich erfolgreichen Neurodermitisbehandlung.

Die klassische Homöopathie hat sich im weiten Feld der Dermitisbehandlungen einen sehr großen Namen gemacht, da die ganzheitlichen Heilungsansätze oft größeren Erfolg aufweisen als schulmedizinische Methoden. Jedoch sollten sich Neurodermetiker/innen oder ihre Eltern auf einen etwas langwierigeren Heilungsprozess einstellen. Aus eigener Erfahrung lege ich allen Menschen die selbst Neurodermitis haben, oder deren Kinder an Ekzem leiden, ans Herz, sich an einen Heilpraktiker oder Homöopathen ihres Vertrauens zu wenden und mit viel Geduld, Unterstützung und Durchhaltevermögen den natürlichen Weg der Heilung zu beschreiten. Dieser ist auf lange Frist wirklich meist der beste, vor allem wenn es sich bei den Patienten um sehr junge Menschen handelt, deren Körper durch hormonelle Umstellungen und Wachstum eine sehr große Chance haben ihr Gleichgewicht zu finden.

Ob Neurodermitis tatsächlich vererbt wird, ist nicht mit 100%iger Sicherheit nachgewiesen. Natürlich sollten Eltern, die zu Allergien und Neurodermitis neigen, besonders vorsichtig sein. Hier ist es sinnvoll, sich schon bei der Familienplanung beziehungsweise in der Schwangerschaft nach natürlichen Möglichkeiten der Vorsorge zu erkundigen. Wenden Sie sich dazu an eine/n Spezialisten/in wie zum Beispiel Homöopathen/in oder Heilpraktiker/in, aber auch den Verband Klassischer Homöopathen Deutschlands e.V. oder den Neurodermitis Bund.

Auch nach der Geburt sind viele Vorsorgemaßnahmen gegen Neurodermitis oder gegen allergische Erkrankungen möglich und oft sogar einfach umzusetzen. Der allererste Schritt ist natürlich das Stillen nach Geburt. Nichts stärkt das Immunsystem so sehr wie Muttermilch in den ersten vier bis sechs Monaten oder länger. Wichtig ist dabei, dass so lange wie möglich, wirklich voll gestillt wird, d.h. keinerlei Beikost. Ab dem vierten Monat kann Schritt für Schritt die entsprechende Beikost eingeführt werden. So geben Mütter ihren Kindern in den ersten Tagen die eigenen Immunstoffe weiter und füttern ihr Kind mit genau auf das Kind zugeschnittenen antiallergenen Stoffen. Diese braucht der kleine Körper um sein eigenes Immunsystem aufzubauen. Wissenschaftliche Studien belegen inzwischen übereinstimmend, dass das volle Stillen in den ersten Monaten einen enormen Einfluss auf den Ausbruch und den Verlauf von Neurodermitis hat.

Wenn Sie ab dem vierten Monat mit der Beikost beginnen, sollten Sie darauf achten, auf hochallergene Lebensmittel zu verzichten. Diese sind vor allem tierische Eiweiße, wie Milch, Ei und Fisch. Aber auch Nüsse fördern allergische Reaktionen und Neurodermitis. Auch hier kann ihr/e Heilpraktiker/in oder Fachberater/in hilfreiche Tipps zur Ernährung geben. Achten Sie darauf Eiweiß nicht einfach nur wegzulassen sondern mit pflanzlichen Eiweißen zu ersetzen. Auch auf besonders säure- oder zuckerhaltige Nahrungsmittel sollten Sie in den ersten Lebensjahren verzichten. Nach dem zweiten Geburtstag sollten das Immunsystem und die Verdauung Ihres Kindes soweit gestärkt sein, dass auch allergene Lebensmittel gegessen werden können. Gewöhnen Sie sich auf jeden Fall an, neue Nahrungsmittel Stück für Stück einzuführen und die körperliche Reaktion des Kindes zu beobachten.

Einen besonders großen Gefallen tun Sie Ihrem Kind, wenn Sie es vor Zigarettenrauch schützen. Sowohl in der Schwangerschaft als auch danach sollte Ihr Kind möglichst keinem Zigarettenrauch ausgesetzt werden, da dieser zu einem der allergiefördernsten Stoffe gehört. Auch Abgase und Feinstaub im Straßenverkehr unterstützen das Ausbrechen von Neurodermitis, Asthma und Heuschnupfen. Gehen Sie zum Spazieren also lieber kleinere Umwege und immer so weit weg vom Verkehr wie möglich. Wenn Sie direkt an einer Straße wohnen, sollten Sie das Lüften auf die verkehrsberuhigten Zeiten des Tages verlegen.

Generell ist Ruhe ein Wichtiges Heilmittel gegen Neurodermitis und ähnliche allergische Reaktionen. Die Haut soll sich schließlich auch beruhigen. Das kann Sie am besten, wenn auch der Geist zur Ruhe kommt. Nicht umsonst wird unsere Haut auch als Spiegel der Seele betrachtet. Was auch immer seinen Ausdruck in der Erkrankung der Haut sucht, es scheint tief im Inneren des Menschen seinen Ursprung zu haben und um den zu finden, braucht es vor allem Ruhe. Stress und psychischer Druck verursachen eine übermäßige Ausschüttung von Stresshormonen im Körper, die das Immunsystem stark aktivieren. So kann es zu neurodermetischen Reaktionen kommen. Vermeiden Sie extremen Leistungsdruck in der Schule, aber auch schon im Kindergarten. Versuchen Sie auch familiäre oder soziale Drucksituation mit Ruhe und Bedacht zu lösen. Das wird auch Ihnen gut tun.

Der alltäglichste Auslöser und Stressfaktor für die Haut ist natürlich die Körperpflege. Weniger ist mehr! Man kann es nicht oft genug sagen. Egal ob Neurodermitis oder nicht, Kinderhaut sollte in den ersten Wochen und Monaten so gut wie gar nicht durch Pflegeprodukte gestört werden. Lassen Sie dem Kind und seinem Körper die nötige Zeit sich auf das neue Umfeld einzustellen und die nötigen Schutzfunktionen der Haut auszubilden, bevor Sie mit Cremes und Ölen eingreifen. Besonders Neugeborene müssen eigentlich nur im Windelbereich gereinigt werden, da sie weder krabbeln noch essen oder sich sonst irgendwo dreckig machen können. Benutzen Sie zur Pflege und Reinigung des Windelbreiches ein ganz natürliches Pflegeöl oder auch einfach nur Olivenöl. Wichtig ist hier die Bioqualität, die garantiert, dass auch durch den Anbau der Pflanzen keine Schadstoffe in das Öl gelangen können. Baden Sie ihr Kind so wenig wie möglich. In den ersten Wochen und Monaten reicht eine Katzenwäsche völlig aus. Wunde Körperstellen können oft mit Muttermilch versorgt werden, die wie gesagt all die Stoffe enthält, die der kleine Körper Ihres Kindes braucht. Die hormonelle Kommunikation zwischen Mutter und Kind ist auch nach der Geburt noch intakt und kein/e Apotheker/in kann eine Medizin anfertigen, die besser zu den Bedürfnissen Ihres Kindes passt, als Sie selbst.

Sobald Ihr Kind selbstständig genug ist, um sich dreckig zu machen, sollten Sie den Körper nur mit sanftester Kosmetik pflegen, d.h. Pflegeprodukten, die in jedem Fall frei von synthetischen Duft- und Farbstoffen, Konservierungsmitteln, Paraffinen oder anderen hautreizenden Stoffen sind. Wählen Sie am besten eine zertifizierte Naturkosmetik, deren Inhaltsstoffe Ihnen bekannt sind und die speziell für Neurodermetiker/innen und zu Allergie neigende Haut konzipiert sind. Diese Babypflege eignet sich meist auch am besten zur Körperpflege von größeren Kindern und Erwachsenen. Die großen Hersteller wie lavera und Weleda führen ein sehr erschwingliches Sortiment an extrasanften Pflegeprodukten für Babys und Kinder mit extrem empfindlicher Haut. Aber auch Martina Gebhardt Naturkosmetik und vor allem Sanoll Biokosmetik bieten eine Auswahl an besonders sensiblen Babypflegprodukten. Wenden Sie sich auch bei der Frage nach der passenden Körperpflege vertrauensvoll an Ihre/n Heilpraktiker/in und achten Sie vor allem darauf nicht zu viele verschiedene Hersteller und Inhaltsstoffe zu verwenden. Wird die Haut mit einer Systempflege gesäubert, mit einer anderen eingecremt und einer dritten vor dem Wundsein geschützt, reagiert sie schneller mit Reaktionen, da es zu einer Überreizung der Haut kommt. Wählen Sie eine Systempflege aus und wechseln Sie erst, wenn Sie merken, dass Ihr Kind nicht gut auf die Pflegestoffe reagiert.

Bei all den vorsorgenden und behandelnden Pflegtipps rate ich Ihnen zu Geduld. Lernen Sie die Haut kennen, beobachten Sie Reaktionen und versuchen Sie dem/der behandelnden Arzt/Ärztin alles so genau wie möglich zu beschreiben. Nur zusammen können Sie eine passende Behandlung finden, die Ihnen oder Ihrem Kind helfen kann Neurodermitis Stück für Stück zu heilen.

Ich wünsche Ihnen dabei viel Kraft und gutes Gelingen.

Ihre Ruth Sonntag