Sie stehen monatelang im feuchtwarmen Klima unserer Badezimmer. Sie werden täglich von mehr oder weniger „schmutzigen“ Händen geöffnet und benutzt. Sie sollen unsere Haut pflegen und teilweise sogar gereizte Haut und kleinere Wunden versorgen. Aber: Sie sollen keine Konservierungsstoffe oder Parabene beinhalten. Es ist nicht wenig, was der umweltbewusste Konsument von den Herstellern zertifizierter Naturkosmetik verlangt. Kann ein Kosmetikprodukt ohne klassische Konservierungsstoffe und Parabene diesen Ansprüchen an Hygiene denn wirklich genügen?

Stiftung Warentest veröffentlichte im Mai den „großen Keimtest“ und bestätigt mit dem Ergebnis das, worauf alle überzeugten Nutzer von Naturkosmetik schon seit langem vertrauen: Auch natürliche Konservierungsstoffe bieten einen hervorragenden Schutz vor Alltagskeimen.

Bevor der Test und vor allem die Ergebnisse in weiteren Details ausgeführt werden, sollte jedoch erst einmal geklärt werden, was genau klassische oder künstliche Konservierungsstoffe und Parabene eigentlich sind.

  • klassische, künstliche, synthetische und naturidentische Konservierungsstoffe

Zu den klassischen Konservierungsstoffen, die in zertifizierter Naturkosmetik nicht enthalten sein sollten, gehören circa 55 zugelassene Stoffe, die von der EU-Kosmetikverordnung namentlich aufgelistet werden. Klassische Konservierungsstoffe sollen „ausschließlich oder überwiegend die Entwicklung von Mikroorganismen hemmen“ und sind in zwei Untergruppen unterteilbar: die synthetischen, oder künstlichen, Konservierungsstoffe und die naturidentischen Konservierungsstoffe. Synthetische Konservierungsstoffe sind zum Beispiel Chlorphenesin. Zu den naturidentischen Konservierungsstoffen gehören zum Beispiel Benzoesäure und Sorbinsäure.  Alle zugelassenen Konservierungsstoffe müssen auf Wirksamkeit und Hautverträglichkeit geprüft werden, wobei neue wissenschaftliche oder empirische Erkenntnisse vor allem deren Hautverträglichkeit ständig wieder in Frage stellen. Somit müssen die bereits zugelassenen Konservierungsstoffe von Zeit zu Zeit neu geprüft und bestätigt werden. Einzelne der von der EU-Kosmetikverordnung zugelassenen Konservierungsstoffe bergen jedoch erhöhtes Allergierisiko, wie zum Beispiel die Formaldehyde, deren Abspalter und Methylisothiazolinon.  

  • Parabene

Naturkosmetik ohne Konservierungsstoffe

Parabene werden seit den 1930er Jahren als klassische Konservierungsstoffe in der Kosmetikindustrie eingesetzt. Parabene sind Salze und Ester der para-Hydroxybenzoesäure, wie zum Beispiel Methylparaben, Ethylparaben, Propylparaben, Isopropylparaben, Butylparaben und Isobutylparaben. Die Sicherheit der Parabene wird jedoch zunehmend von Seiten der Wissenschaft in Frage gestellt. So sollen Parabene zum Beispiel das menschliche Hormonsystem beeinflussen. Deswegen legen das Bundesinstitut für Risikobewertung und der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission (SCCS) Grenzwerte für verschiedene Parabene fest, deren Konzentration für den Körper ungefährlich sein soll. So zum Beispiel für Methylparaben und Ethylparaben. Einige der Parabene, wie Isopropylparaben, Isobutylparaben, Phenylparaben und Pentylparaben,  werden derzeit neu bewertet während andere aufgrund mangelnder Daten von der EU verboten werden sollen.

  • Alternative Konservierungsstoffe

Zurzeit dürfen Kosmetikhersteller circa 150 bis 200 alternative Konservierungsstoffe in Ihren Produkten verwenden, um deren Haltbarkeit zu sichern. Diese gelten nicht als klassische Konservierungsstoffe, da sie eine andere Hauptfunktion haben. So werden alternative Konservierungsstoffe zum Beispiel hauptsächlich als Duftstoff oder Emulgator eingesetzt und haben nur als Nebeneffekt eine konservierende und keimhemmende Wirkung auf das Kosmetikprodukt. Beispiele für alternative Konservierungsstoffe sind Alkohol, Polyalkohole, Glykole, organische Säuren, ätherische Öle und Pflanzenextrakte. Allerdings ist die Sicherheit dieser natürlichen Alternativen schwer einschätzbar, da sie grundsätzlich auch Allergien und unerwünschte Nebeneffekte verursachen können.

 

Naturkosmetik ohne Konservierungsstoffe

Der Keimtest funktionierte nun so, dass einer Auswahl von 24 konventionellen und naturkosmetischen Pflegeprodukten fünf verschiedene Keimstämme zugeführt wurden. Im folgenden Monat wurde anschließend geprüft, ob die Keimstämme ­abgetötet wurden oder sich vermehrten. Insgesamt konnten 21 der 24 Produkte hervorragende mikrobiologische Ergebnisse vorweisen und wurden von Stiftung Warentest mit „SEHR GUT“ benotet. Die vier getesteten Naturkosemtikprodukte der Firmen Lavera, Logona und Weleda schnitten ebenfalls allesamt mit der Bestnote ab.

Von Herstellerseite wird also sehr gute Arbeit geleistet, sodass sich Konsumenten keine Sorgen um hautreizende Keimstämme machen müssen. Dennoch gibt es einige Tipps zur Anwendung von Naturkosmetik, die das Risiko von Keimbelastung noch weiter verringern:

 

1. Naturkosmetikprodukte sollten beim Kauf gut verschlossen und bestenfalls versiegelt sein.

2. Cremes sollten mit einer Schutzfolie vor Verschmutzung geschützt sein.

3. Die klassische Tubenform schützt besser vor dem Eindringen von Keimen als kleine Töpfe und Tiegel, aus denen die Creme meist mit den Fingern entnommen wird.

4, Die Schraubverschlüsse der Töpfchen, Tiegel und Tuben sollten nach der Anwendung gut verschlossen werden.

5. Das Eindringen von Wasser in die Creme sollte vermieden werden, da Wasser alsHauptbestandteil der Kosmetikprodukte die Keimbildung extrem fördert.

6. Vor dem Entnehmen der Creme aus der Verpackung, sollten die Hände gut gewaschen werden.

7. Bei Töpfchen sollte im besten Falle ein Spatel verwendet nehmen, um die Creme zu entnehmen.

8. Nach dem Öffnen sind die meisten Kosmetika ein Jahr haltbar.


Mit diesen exzellenten Ergebnissen und den einfachen Anwendungstipps wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Aussuchen Ihrer nächsten Pflegecreme ohne künstliche Konservierungsstoffe und Parabene.

Ihre Ruth Sonntag