Seit wann gibt es ihn eigentlich, den Muttertag? Wer hat sich diesen Tag ausgedacht?

Mothering Day, Mothers Work Day ... Muttertag

Ja, der Muttertag ist schon ein ganz besonderer Tag. Irgendwie hat er ja in meiner Generation schon immer so ein kleines Image-Problem. Kommt er doch irgendwie aus einer vergangenen Zeit und hat mit unserem modernen Frauenbild eigentlich gar nichts mehr zu tun. Doch dann ist man plötzlich selber Mutter und nicht mehr nur in der in der Rolle des jungen Mädchens, das an diesem Tag an die eigne Mutter denken soll. Nein, man freut sich von ganzem Mutterherz über die kleinen Bastelein, die einen die beiden eignen Kinder am Sonntagmorgen ganz aufgeregt ans Bett bringen. So war es jedenfalls im vergangenen Jahr. Mal sehen, ob sie diesmal dran denken. Und hoffentlich vergesse ich nicht wieder, an meine Mutter zu denken. Doch wo kommt er nun eigentlich her, der Muttertag?

Also, im Jahr 1644 wurde in England zum ersten mal der sogenannte „Mothering Day“ begangen. Darunter verstand man ein großes Familienfestmahl. Bei dem aber bestimmt wieder die Mütter und Hausfrauen die meiste Arbeit hatten, weswegen er sich nicht dauerhaft etablieren konnte.

Der erste Muttertag im heutigen Sinn wurde über 200 Jahre später in den USA gefeiert. Am „Mothers Work Day“ 1858 wurde die Arbeit gewürdigt, die die Mütter in die Erziehung ihrer Kinder investiert haben. Ein paar Jahre später, 1865, gründete die Amerikanerin Ann Maria Reeves Jarvis eine grundsätzlich schon frauenbewegte Mütterbewegung, die den „Mothers Friendships Day“ beging. Hier sollten sich Frauen und Mütter bei sogenannten „Mothers Day Meetings“ über ihre Probleme austauschen. Eine erste Humanisierung und vielleicht auch Politisierung erfuhr der Tag durch das Bemühen der Amerikanerin Julia Ward Howe, die einen Mütter-Friedenstag einführte, bei dem unter dem Motto „peace and motherhood“ dafür eingetreten wurde, dass Mütter ihre Söhne nicht mehr als Opfer in sinnlose Kriege schicken sollten.

Den ersten Muttertag an einem zweiten Sonntag im Mai verdanken wir dann der Tochter von Ann Maria Reeves Jarvis. Die ließ am 12. Mai 1907 zu Ehren ihrer verstorbenen Mutter 500 weiße Nelken an Frauen ihrer Kirchgemeinde verteilen und setzte sich fortan dafür ein, dass dieser Tag zu einem offiziellen Ehrentag für alle Mütter werden sollte. Ein Ziel dass sie nur wenige Jahre später, im Mai 1914 erreichen sollte. Denn da erklärten Präsident Woodrow Wilson und der amerikanische Kongress den zweiten Sonntag im Mai zum nationalen Feiertag. Der sich fortan in alle Welt verbreitete und seit 1923 erstmals auch in Deutschland gefeiert wurde. Die Heilsarmee hatte ihn aus den USA hierher gebracht. Eine edle Tat, die von Pralinenherstellern und Blumenhändler gerne unterstützt wurde. Zunächst mit kostenlos verteilten süßen Kleinigkeiten und Blumensträußchen. Ein gutes Investment, wie sich später herausstellen sollte.

Doch erst einmal machten sich die Nazis den Tag zu eigen und zum offiziellen Feiertag mit „Ehrenkreuz der deutschen Mutter“ für die Frauen, die für Führer, Volk und Vaterland besonders viele Kinder geboren hatten. Das Ende ist bekannt und der Muttertag dadurch vor allem in der späteren DDR in Verruf gekommen.

Inzwischen wird dieser Tag frei von Ideologien und staatlicher Vereinnahmung gefeiert. Und dafür, dass er nicht vergessen wird, sorgt nicht zuletzt die Blumenindustrie, die zu keiner Zeit des Jahres so viel Umsatz macht, wie an denen im Vorfeld dieses zweiten Sonntags im Mai.