Schon lange wird im Bioladen mit regionalen Produkten geworben. Einen Apfel aus Neuseeland einzufliegen, anstatt ihn von deutschen Bauern zu kaufen, macht ja auch wirklich vorne und hinten keinen Sinn. In der Naturkosmetik lies dieses Bewusstsein etwas länger auf sich warten. Der Grund für weniger regionale Produkte in natürlichen Kosmetikprodukten ist auch nicht schwer zu verstehen. Mehr noch als bei der Ernährung sollen Kosmetikprodukte gezielte Aufgaben erfüllen, z.B. Feuchtigkeit spenden, die Haut straffen oder Poren reinigen. Nicht jede heimische Pflanze beinhaltet Wirkstoffe, die diese Hautfunktionen stimulieren. Deswegen wurde und wird in der Kosmetikindustrie oft auf exotische Pflanzen zurückgegriffen, deren Wirkstoffe die Funktionen besser erfüllen. Doch nicht immer müssen es Pflanzen aus dem Urwald sein, die unsere Haut oder Haare pflegen.

In der Haarpflege spielen Pflanzen vor allem aufgrund der Tenside eine wichtige Rolle. Tenside sind in der Reinigung von Haar und Haut besonders wichtig, das sie fettige Stoffe wasserlöslich machen und somit das Abspülen von Schmutz und Talg durch Wasser ermöglichen. Wichtig ist hier auf die pflanzliche Basis von Tensiden zu achten, die für Mensch und Umwelt weitaus verträglicher sind als Tenside auf Erdölbasis.

Doch auch Pflegestoffe der Pflanzen sind für die Herstellung von Naturkosmetik essentiell. Gerade Weleda und lavera, als bekannteste deutsche Naturkosmetikhersteller, setzten seit einiger Zeit vermehrt auf heimische Produkte in ihrer Naturkosmetik. Anfang des Jahres wurde das Rosmarin und Thymian Shampoo von Weleda durch Hafer und Hirse Haarpflege ersetzt. Getreide weist nämlich nicht nur äußerlich, sondern auch von Innen eine erstaunliche Ähnlichkeit mit unserem Haar auf. Haar und Getreide wirken beide elastisch und sind im gesunden Zustand von einer glatten und glänzenden Oberfläche umhüllt. Genau wie die Getreidefelder, stehen auch volle Haare für Vitalität, Wuchskraft, Struktur und Festigkeit. Aber auch die Inhaltsstoffe von Getreide und Haaren sind ähnlich. Das in Hafer, Weizen oder Hirse enthaltene Eiweiß, Kieselsäure und viele weitere Mineralstoffe tragen maßgeblich zum gesunden Wachstum unserer Haare bei. Vor allem die Kieselsäureprozesse, die in den meisten Getreidearten stattfinden, machen sie zu unabdingbaren Lieferanten für eine gesunde Haarpflege. Das Wurzelsekret des Getreides kann das überlebenswichtige Mineral Silizium aus der Erde lösen und speichern. Die nun in der Pflanze enthaltene Kieselsäure wird anschließend extrahiert und unterstützt in der Haarpflege die Wachstumsprozesse des Haares, stärkt deren Struktur und verbessert das Kopfhautmilieu. Da jedes Getreide Kieselsäure auf seine ganz individuelle Art und Weise verarbeitet und speichert, sind unterschiedliche Getreidesorten für unterschiedliche Haartypen hilfreich.

Hafer

Hafer stammt aus den nördlichen Regionen und ist deswegen darauf spezialisiert Wasser aufzunehmen. Über die ganze Wachstumsphase speichert Hafer die Energie aus Sonne, Luft und Wärme in sich, vor allem aber speichert er Wasser. Da Hafer erst am Ende des Anbaujahres geerntet wird, hat das Getreide am längsten Zeit Energie und Mineralstoffe aufzunehmen und zu speichern. Somit gilt Hafer als nährstoffreichstes Getreide. Hafer bildet zusätzlich nützliche Schleimstoffe, Phosphor und Eisen, was ihn zu einer extrem nährenden Pflanze für die Herstellung von Haarpflegeprodukten macht. So dient Hafer vor allem dem Aufbau, Festigung und Feuchtigkeitspflege von trockenem und strapaziertem Haar.

Hirse

Hirse wächst hauptsächlich in den heißen und sonnigen Regionen und muss zum eigenen Überleben vor allem sich selbst schützen. Diese Schutzfunktion erfüllt das Getreide durch die Ablagerung von Kieselsäure in den äußeren Bereich und vor allem rund um die Hirsekörner. So werden Pflanze und Frucht vor Sonne und Austrocknung geschützt, während die natürlichen Funktionen im Inneren ungestört weiterlaufen können. Genau diesen Schutz bietet Hirse auch dem Haar. Es schützt das Haar und erhält dessen natürlich gesunden Zustand. Somit eignet sich Haarpflege mit Hirse vor allem für normales und gesundes Haar.

Weizen

Weizen ist ein besonders starkes und kräftiges Korn. Die einfache und sehr gerade Form der Weizenstängel ist in der Lage die reichhaltigen und im Vergleich sehr schweren Ehren des Getreides zu tragen und der Sonne entgegenzustrecken. Die klare Form ermöglicht also die Reichhaltigkeit im Inneren. Das aus dem Weizen extrahierte Weizenkeimöl überträgt diese Fähigkeiten auf das Haar. Es verleiht Struktur und Kraft und gleicht das Milieu im Haar und auf der Kopfhaut bestens aus. So verleiht Haarpflege mit Weizen sowohl fettigem als auch trockenem Haar Struktur und innere Balance.

Aber auch andere heimische Früchte und Kräuter helfen dem Haar seine natürlichen Funktionen zu stärken und auszubauen.

Apfel

Der Apfel, der vor allem von lavera in seinem neuen Shampoo verarbeitet wird, duftet nicht nur herrlich, sondern unterstützt auch Stoffwechselprozesse. Das besonders Vitamin C reiche Obst kann so bei Verdauungsbeschwerden helfen, aber auch die Reinigung von Haar und vor allem Kopfhaut unterstützen. So bringt Apfelextrakt das Haar zum Glänzen und  verleiht ihm einzigartige Fülle.

Für die Hautpflege gilt genau wie bei der Haarpflege, dass Pflanzen vor allem wegen der Herstellung von Tensiden benötigt werden. Doch natürlich sind die reichhaltigen Öle der Pflanzen und Wirkstoffe von Kräutern besonders wichtig für die tägliche Pflege und Reinigung der Haut. So schätzen Hersteller die Möhren aufgrund des hohen Anteils an Carotinoiden, die als Antioxidanten vor freien Radikalen schützen. Birkensaft hat eine extrem reinigende und entschlackende Wirkung auf den Körper und die Haut. Ringelblume beruhigt strapazierte Haut und Salbei wirkt entzündungshemmend. Riesendistel ist reich an Linolsäure, die rissige Haut schließt. Schmetterlingsflieder wird vor allem aufgrund seiner feuchtigkeitsspendenden Schleimstoffe für Kosmetik gegen trockene Haut verwendet. Die Liste der Wirkstoffe ist länger als ein Blogartikel bieten kann, aber gewiss ist: Auch hier in Deutschland ist für fast jedes Leiden ein Kraut gewachsen.

Wieso verwendet die umweltbewusste Naturkosmetikindustrie dann nicht ausschließlich heimische Produkte und verzichtet auf die langen Transportwege und CO2 ausstoßenden Lieferungen? Wie oben beschrieben weisen viele der exotischen Pflanzen Eigenschaften auf, die den heimischen Pflanzen überlegen sind. Auch Rapsöl könnte als Pflanzenfett und Basisöl in der Naturkosmetik verwendet werden. Jedoch zieht es kaum ein und legt sich wie ein Film über die Poren. Deswegen greifen Hersteller lieber zu Jojobaöl, dass sehr viel weniger fettig ist und die Haut atmen lässt. Gurke spendet Feuchtigkeit, aber Aloe Vera kombiniert diese Eigenschaft mit entzündungshemmenden Inhaltsstoffen, die die Haut noch viel reichhaltiger pflegen. Wichtig ist, dass importierte Produkte unter fairen und umweltfreundlichen Bedingungen angebaut und transportiert werden müssen. So kann der Einkauf von Granatapfelkosmetika oder Aloe Vera Cremes sogar soziale Probleme beheben und die ansässige Wirtschaft fördern anstatt die auszubeuten. Besonders hervorzuheben sind hier natürlich Pioniere wie Dr. Hauschka oder Weleda, die mit eigenen Pflanzenfarmen darauf achten, dass die Bestände stets nachhaltig geerntet und wieder angebaut werden.

Als Konsumenten und Nutzer von Naturkosmetik sollten wir also darauf achten heimische Produkte zu nutzen, wo deren Wirkung unsere Haut und Haare passend pflegt. Für manche Probleme ist es eben die Pflanze aus Südamerika oder Asien, deren Inhaltsstoffe wir brauchen. Doch diese sollten in Maßen benutzt und nachhaltig angebaut und transportiert werden. Da Naturkosmetikhersteller auf die ganzheitliche natürliche Qualität ihrer Produkte achten, ist eine gesunde Mischung aus heimischer Kosmetik und exotischen Produkten durchaus vertretbar.