Fenchel

Hierzulande ist Fenchel (Foeniculum vulgare) vor allem in angelegten Gärten zu finden, wobei seine wilden Pflanzenbrüder auch frei in der Natur wachsen. Karl dem Großen ist es zu verdanken, dass die Heilpflanze um 800 n. Chr. aus Südeuropa in die deutschen Klostergärten kam. Doch schon lange vorher etablierte sich das hochwachsende Kraut in anderen Ländern bis ins alte China als hochwirksames Naturheilmittel gegen viele Beschwerden.

Der bläuliche Stengel der zweijährigen Pflanze wird bis zu zwei Meter hoch  und ist von einer kugelförmigen, gelblichen Dolde gekrönt. Die im Sommer blühende Dolde trägt ab September reife Fenchelsamen, die hauptsächlich in der Naturheilkunde und in der Küche verwendet werden. Das Fenchelkraut ist sehr dünn und kann ähnlich wie Dill zum Würzen von Speisen verwendet werden. Neben den samentragenden Fenchelsorten, wird in der Küche vor allem der Gemüsefenchel verwendet, der eine an der Erde wachsende, verdickte Knolle bildet, die in Suppen und als Gemüsebeilage gegart werden kann.

Samen und Wurzeln des Fenchel werden hingegen zu hochwirksamen Mitteln gegen Husten und Blähungen verarbeitet. Fenchel enthält neben seinem ätherischen Öl mit Anethol und Fenchon auch Flavonoide, Linalool, Linolsäure und sehr viel Vitamin C. Diese Wirkstoffe der altbewährten Heilpflanze wirken antibakteriell, entspannend, krampflösend, harntreibend und schleimlösend. Das macht den Fenchel zu einem guten Hausmittel gegen Appetitlosigkeit, Blähungen, Dreimonatskoliken bei Säuglingen, Verdauungsproblemen, Magenschmerzen,  Bronchitis, Asthma , Halsinfektionen, Erkältung und Keuchhusten. Außerdem fördert Fenchel die Milchbildung bei stillenden Müttern, unterstützt die Menstruation und hilft bei Wechseljahrsbeschwerden.

In der Naturheilkunde unterscheidet man grundsätzlich zwischen dem Süßen und dem Bitteren Fenchel. Während der Süße Fenchel (Foeniculum vulgare ssp. vulgare var. dulce) vor allem in der Küche als Gewürz verwendet wird, liefert der Bittere oder Wilde Fenchel (Foeniculum vulgare ssp. vulgare var. vulgare) fast die doppelte Menge an ätherischen Ölen und heilsamen Wirkstoffen, weswegen er vorwiegend in der Naturheilkunde und für medizinische Apothekenprodukte benutzt wird.  Der knollenförmige Gemüsefenchel (Foeniculum vulgare ssp. vulgare var.azoricum) ist aufgrund der vielen enthalten Ballaststoffe besonders verdauungsfördernd, bindet Fette im Magen und unterstützt die Durchblutung.  

 

Folgende Rezepte können einfach zu Hause zubereitet werden und helfen schnell und zuverlässig gegen die oben genannten Beschwerden:

 

Fencheltee gegen Blähungen

Mischen Sie 40g Anissamen, 40g Fenchelsamen und 20g Kamillenblüten. Brühen Sie pro Tasse einen Esslöffel der Samen-Blüten-Mischung mit kochendem Wasser auf und lassen Sie den Aufguss 10 bis 15 Minuten ziehen. Filtern Sie die Samen ab und trinken Sie den warmen Tee in kleinen Schlucken um Ihren Magen zu schonen.

 

Fenchel-Öl gegen Blähungen

Wiegen Sie 5g Anissamen, 5g Fenchelsamen und 110ml Pflanzenöl (z.B. Primavera Jojobaöl oder Primavera Mandelöl) ab. Zerstoßen Sie die Samen grob in einem Mörser um die ätherischen Öle und Wirkstoffe besser löslich zu machen. Füllen Sie die zerstoßenen Samen in ein Glas und gießen Sie das Pflanzenöl darauf. Verschließen Sie das Glas fest und setzen Sie es gegebenenfalls für 15 Minuten in ein heißes Wasserbad. So kann das Pflanzenöl die Wirkstoffe besser aufnehmen. Lassen Sie die Ölmischung sechs Wochen an einem warmen Ort ziehen. Je länger der Ansatz ziehen kann, desto stärker wird das Fenchel-Öl. Filtern Sie das Öl  durch einen Kaffeefilter ab und füllen sie das gefilterte Öl in eine dunkle Flasche. Das Fenchelöl eignet sich nun für sanfte Bauchmassagen gegen Blähungen auch bei Säuglingen und Babys mit Dreimonatskolik. Alternativ kann Fenchel-Öl auch aus 20 Tropfen ätherischem Fenchelöl und 100ml Pflanzenöl gemischt werden.

Für Die Massage sollten Sie das Fenchel-Öl durch kräftiges Reiben zwischen den Handflächen erwärmen und anschließend mit kreisförmigen Bewegungen im Uhrzeigersinn auf dem Bauch verstreichen. Da der Dickdarm im Uhrzeigersinn verläuft, ist die Richtung von großer Bedeutung. So können festsitzende Gase und andere blähende Substanzen besser aus dem Darm herausbefördert werden. Zusätzlich entspannen sich die oft verkrampften Bauchmuskeln durch die liebevolle Massage und geben zusätzlich mehr Raum für die Verdauung. Ergänzend zu der Massage gegen Blähungen sollte Fencheltee verabreicht werden (siehe oben).

 

Fenchel-Honig gegen Husten

Zerstoßen Sie 2 bis 3 Esslöffel Fenchelsamen grob in einem Mörser um die ätherischen Öle besser löslich zu machen. Geben Sie die zerstoßenen Fenchelsamen in ein Glas dünnflüssigen Imkerhonig und verschließen Sie das Glas fest. Lassen Sie den Honig circa 3 Wochen ziehen und drehen Sie das Glas täglich mehrmals. Sieben Sie den Honig ab und verabreichen Sie täglich morgens und abends einen Teelöffel Fenchel-Honig. Alternativ kann der Fenchel-Honig auch in Tee gelöst werden.

 

Fenchel-Likör gegen Verdauungsprobleme

Zerstoßen Sie 5 Esslöffel Fenchelsamen in einem Mörser und mischen Sie die angestoßenen Früchte mit 100g braunem Kandiszucker. Füllen Sie Fenchelsamen und Zucker in ein Glas und übergießen Sie alles mit 375ml Doppelkorn (38-40%iger Alkohol). Lassen Sie die Mischung circa zwei Wochen ziehen bis sich der Kandiszucker vollständig gelöst hat und schütteln Sie das Glas täglich. Filtern Sie den Likör durch ein besonders feinmaschiges Sieb oder einen Kaffeefilter und füllen Sie den gefilterten Likör in eine saubere, dunkle Flasche. Lassen Sie den Fenchel-Likör nochmals drei Wochen an einem dunklen und kühlen Ort reifen. Bei Verdauungsproblemen, Blähungen oder Völlegefühl nach einer fettigen Mahlzeit können Sie ein kleines Likörgläschen des Fenchel-Likörs zur Berhuigung des Magens trinken.

 

Fencheltee zur Milchbildung

Mischen Sie 40g Fenchelsamen mit 40g Anissamen und 20g Kümmelsamen. Zerstoßen Sie die Samen grob in einem Mörser und brühen Sie einen Esslöffel pro Tasse mit kochendem Wasser auf. Lassen Sie den Aufguss circa 10 bis 15 Minuten ziehen und trinken Sie täglich zwei bis drei Tassen in kleinen Schlucken.  

 

Fencheltee zur Menstruationsförderung und in den Wechseljahren

Mischen Sie zu gleichen Anteilen Hirtenhänschelkraut, Beifußkraut, Schafgarbenkraut, Weinrautekraut, Ringelblumenblüten, Fenchelsamen und Thymiankraut. Brühen Sie pro Tasse einen Esslöffel der Kräutermischung mit kochendem Wasser auf und lassen Sie den Tee 10 bis 15 Minuten ziehen. Seihen Sie den Tee ab und süßen Sie ihn gegebenenfalls mit etwas Honig. Trinken Sie sechs Wochen lang täglich drei Tassen des Kräutertees und fügen Sie anschließend eine zweiwöchige Pause ein. Anschließend können Sie die Kur nochmals sechs Wochen durchführen. Der Fenchel-Menstruationstee fördert das regelmäßige Einsetzen der Menstruation. So hilft er Frauen mit unregelmäßiger Regelblutung auch in den Wechseljahren oder in der Pubertät, ihre Regel besser einzutakten. Verantwortlich für diese Wirkung sind die Pflanzenhormone der verwendeten Heilkräuter, die den Eisprung und den natürlichen Aufbau der Gebärmutterschleimhaut fördern, falls dieses nicht schon geschehen ist. Sofern die Gebärmutterschleimhaut bereits gebildet ist, sorgt der Kräutertee für ein Eisnetzen der Menstruationsblutung.

Falls Sie nicht schwanger sind, aber trotzdem über längeren Zeitraum Ihre Regel nicht bekommen, sollten Sie sich bei Ihrem Frauenarzt oder Heilpraktiker melden um das Problem zu klären.

 

Fenchel-Milch zur Gesichtsreinigung

Zerstoßen Sie einen Esslöffel Fenchelsamen in einem Mörser und überbrühen  Sie diese mit 200ml kochendem Wasser. Lassen Sie den Fenchel-Aufguss zugedeckt 30 Minuten lang ziehen und seihen Sie den Sud durch ein dünnes Baumwolltuch ab. Geben Sie einen Esslöffel Honig dazu und lassen Sie die Flüssigkeit abkühlen. Geben Sie anschließend zwei Esslöffel Milch oder Buttermilch dazu und füllen Sie die Fenchel-Milch in ein sauberes Fläschchen. Bewahren Sie die Fenchel-Milch im Kühlschrank auf, wo sie circa 7 Tage haltbar ist. Fenchel-Milch reinigt die Haut sanft und wirkt leicht desinfizierend auf unreine Hautstellen.

 

Viel Spaß beim Herstellen dieser natürlichen Hausmittel wünscht Ihre Ruth Sonntag.