Kälteschutz für die Haut

Der Winter gilt als Zeit der Ruhe. Doch während wir uns in unsere warmen Stuben zurückziehen, müssen unsere Körper dauerhaft  arbeiten. Denn der Winter verlangt unseren körpereigenen Schutzfunktionen eine Menge ab. Vor allem unsere äußerste Schutzbarriere die Haut muss für mehrere Monate gegen eine Vielzahl von äußeren Reizen ankommen.

Sinkt die Temperatur dauerhaft unter 8°C beginnt für unsere Haut die Winterzeit. Zu allererst werden die Funktionen der Talgdrüsen beeinträchtigt. Die überall auf der Haut verteilten Talgdrüsen produzieren Talg, ein hauteigenes Fett, dass sich auf der Haut verteilt und diese schützt und pflegt. Bei fallenden Temperaturen wird der Talg jedoch zäh und kann sich nicht mehr so einfach auf der Haut verteilen. Die obere Hautschicht, auch Hornschicht genannt, wird nicht mehr ausreichend und flächendeckend mit natürlichen Fetten versorgt und kann trocken und rissig erscheinen.  

Kleine Risse in der Hornschicht machen die Haut durchlässig. Nun können Umwelteinflüsse von außen schneller eindringen, während körpereigene Substanzen gleichzeitig ungehindert nach außen gelangen. Vor allem der Feuchtigkeitsgehalt der Haut wird stark beeinträchtigt. Während die Hornschicht normalerweise einen Feuchtigkeitsgehalt von circa 40% aufweist, fällt dieser Anteil im Winter auf bis zu weniger als 10%. Schuld daran ist die trockene Luft in Wohn- und Arbeitsräumen. Die gut geheizten Zimmer haben eine niedrige relative Luftfeuchtigkeit und entziehen der Haut förmlich das Wasser. Schnell kann es da zu Spannungsgefühlen und Juckreiz kommen.

Draußen ist es zwar etwas feuchter, jedoch viel kälter und oft auch windiger. Kälte und Wind beeinträchtigen die Durchblutung der Haut und wichtige Nährstoffe gelangen nur noch schwer in die äußersten Schichten. So werden die natürlichen Schutzfunktionen der Haut geschwächt.

Besonders anstrengend ist natürlich der extreme Temperaturwechsel, den unsere Haut im Winter meist mehrmals täglich ausgleichen muss. Bis zu 30°C Temperaturunterschied wirken auf die Haut, wenn wir uns von drinnen nach draußen oder von draußen nach drinnen bewegen. Doch so schnell kann sie den unterschiedlichen Anforderungen von Kälte und Wärme nicht gereicht werden. Diese Überforderung äußert sich meist in einem etwas unangenehmen Prickeln und Spannen.

Die Haut braucht also Unterstützung, am besten in Form einer fetthaltigen Cold Cream. Kältschutzcremes haben einen besonders hohen Lipid-, also Fettanteil und legen sich wie eine zusätzliche Schutzschicht über die Hornhaut, um das Verdunsten von Wasser und das Eindringen von Umwelteinflüssen zu reduzieren. Was Sie beim Auftragen von Cremes im Winter beachten sollten, lesen Sie hier:

1. Kälteschutz ist niemals 100%. Ähnlich wie bei Sonnencremes dringt Kälte trotz schützender Cremes bis in die Haut ein und beeinträchtigt dort die Durchblutung. Besonders bei Minusgraden sollten Sie deswegen darauf achten, wann Ihre Haut ein Signal sendet, sie durch etwas Wärme zu entlasten.

2. Wenn Sie nach einem längeren Aufenthalt eingecremt wieder nach drinnen kommen, sollten Sie Ihre Haut von der fetthaltigen Cremeschicht befreien, falls diese noch nicht gänzlich eingezogen ist. Mit einer sanften Wachscreme können Sie das überschüssige Fett entfernen, damit die Creme nicht die Poren verstopft. So verhindern Sie die Entstehung von Pickeln.

3. Reinigen Sie Ihr Gesicht und den Körper mit sanften Waschcremes und lauwarmem Wasser. Zu häufiges Waschen und zu heißes Wasser trocknen die Haut zusätzlich aus, was Sie im Winter auf jeden Fall vermeiden sollten. Heißes Wasser spült die natürlichen Hautfette aus den Poren und verhindert somit die Bildung der körpereigenen Talgschutzschicht. Verzichten Sie auf Seifen und alkoholhaltige Reinigungsprodukte, da diese Fett lösen und den schützenden Talg fast völlig entfernen. Stattdessen sollten Sie rückfettende Reinigungslotionen und Wachscremes verwenden, die der Haut die ausgespülten Lipide zurückgeben und deren Produktion anregen. Dies gilt besonders für die Hände.   

4. Verzichten Sie im Winter auf Hautbürsten und Peelings. Alles was die Haut reizt und die Hornschicht abträgt sollte bis zum Frühjahr nicht verwendet werden

5. Die perfekte Tagescreme im Winter sollte wie oben beschrieben rückfettend sein und Ihre Haut bei der Bildung der Schutzbarriere durch Lipide unterstützen. Besonders geeignet sind Nachtkerzenöl, Mandelöl und Sheabutter. Sehr fettige und unreine Haut, muss nicht unbedingt zusätzlich gefettet werden. Reicht das natürlich produzierte Fett für den Hautschutz aus, sollte eine reine Feuchtigkeitspflege verwendet werden, die den Wasserhaushalt der Haut reguliert ohne sie zusätzlich zu fetten.

6. Versorgen Sie Ihre Haut mithilfe von Gesichtsmasken gezielt mit Feuchtigkeit. So können Sie den Wassertank der Haut füllen und es sich mit Kerzen, schöner Musik, mit Freundinnen oder zu zweit in der Badewanne gemütlich machen und gleichzeitg Ihre Seele streicheln.

7. Mehr als jede andere Körperstelle sind die Lippen vom Austrocknen betroffen, denn sie haben keine Hornschicht, wenig Talgdrüsen und sind sehr dünn. Cremen Sie die Lippen deswegen mit fetthaltigen Cremes ein. Achten Sie jedoch darauf nicht zu häufig Lippenpflege zu benutzen, da sich die Haut schnell an die Versorgung gewöhnt und die Talgproduktion gänzlich einstellt. Sie sollen der Haut Ihre Funktion nicht abnehmen, sondern ihr ergänzend helfen. Ein- bis zweimal täglich Lippenpflege reicht völlig aus.  

8. Schützen Sie sich auch im Winter gegen Sonne. Die extrem strapazierte Haut kann der Sonne im Winter wenig Gegenwehr leisten. UV-Strahlen dringen noch schneller ein und können ihre Spuren hinterlassen. Tragen Sie bei sonnigem aber kaltem Wetter einen mineralischen Sonnenschutz auf, der die UV-Strahlen reflektiert. So wird die Haut nicht durch chemische Sunblocker gereizt und trotzdem effektiv geschützt. Tragen Sie die Sonnencreme vor dem Kälteschutz auf, damit diese direkt auf der Hautoberfläche wirken kann.

9. Durch eine gesunde Ernährung versorgen Sie die Haut von innen heraus mit nötigen Substanzen. So halten Sie Ihren Körper in dem wohl gesündesten  Gleichgewicht und können nicht „zu dick auftragen“. Denn alles, was der Körper hier nicht benötigt, scheidet er einfach aus. Das fällt ihm bei einer von außen aufgetragenen Fettcreme natürlich nicht so leicht. Trinken Sie viel, um den Feuchtigkeitsgehalt der Haut aufrecht zu erhalten. Essen Sie Obst und Gemüse mit vielen Antioxidanten, um die Schutzfunktionen der Haut zu stärken.

10. Trockene Räume können mit Luftbefeuchtern hautfreundlich gemacht werden. Hier können Sie auch wohlriechende ätherische Öle zum Einsatz bringen und durch gezielte aromatherapeutische Anwendung Körper und Geist im Winter verwöhnen.

Viel Spaß beim Schützen und Verwöhnen wünscht Ihre Ruth Sonntag!