Ein Unkraut wird zum Heilkraut

Es gibt viele Gründe für Trägheit und Müdigkeit. Die Seele und die geistige Verfassung haben einen sehr großen Einfluss auf die körperliche Vitalität des Menschen. Eine schlaflose Nacht vor einem langersehnten Urlaub hat oft keinerlei Auswirkungen auf den Reiseantritt, während ein unangenehmer Termin nahezu lähmen kann. Eine ausgeglichene und glückliche Seele ist also die Grundvoraussetzung für einen gesunden und vitalen Körper. Doch was, wenn der Körper als solches nicht genug Energie produzieren kann?

Trägheit und Schwäche hängen nicht nur von der Laune oder dem Schlaf ab. Natürlich haben auch Stoffwechsel und Ernährung einen sehr großen Einfluss auf das Potenzial des Körpers. Einen leider längst vergessenen Stellenwert im gesunden Ernährungsplan in Bezug auf Leistungsfähigkeit nimmt dabei die Brennnessel ein. Als Unkraut mit hautverbrennenden Eigenschaften wird sie den meisten schon im Kindesalter äußerst suspekt während sie auch vielen herangewachsenen Gartenbesitzern ein Dorn im Auge ist.

Vorkommen und Sammelzeiten

Hierzulande treten fast ausschließlich die Brennnesselarten Große Brennnessel, lateinisch urtica dioico, und Kleine Brennnessel, lateinisch urtica urens, auf. Diese Vertreter der großen Pflanzenfamilie der Brennnesseln wachsen auf fast jedem Boden und sind sehr ausdauernd, was ihr Wachstum und ihre Verbreitung angeht. Das macht das Sammeln des unterschätzten Heilkrautes sehr einfach. Vor allem die Samen und das Kraut, also die überirdisch wachsenden Pflanzenteile, werden bei der Zubereitung von Brennnesselrezepten aller Art verwendet. Die Sammelzeit beginnt schon im März und dauert bis in den August an, wobei die Samen der Pflanze erst im Frühherbst geerntet werden können. Das Brennnesselkraut sollte möglichst jung gesammelt werden, da die kleineren etwa 20 Zentimeter hohen Pflanzen im Frühjahr den besten Geschmack liefern. Größeren und älteren Pflanzen können aber auch die jungen und frischen Triebe der oberen zwei bis vier Blattpaare an der Spitze der Pflanze abgeschnitten werden.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Doch was macht die Brennnessel zu einem angeblich so einzigartigen Heilkraut? Hinter den gemeinen Nesselhaaren, die für das penetrante Brennen nach dem Hautkontakt verantwortlich sind, speichern die Blätter und Samen der Brennnessel einen unglaublich hohen Anteil an lebenswichtigen Nährstoffen und Vitaminen. Brennnesseln verfügen zum Beispiel über einen sehr großen Gehalt an Flavonoiden. Flavonoide sind Pflanzenstoffe, die aufgrund ihres universellen Vorkommens in allen Pflanzen auch in der Ernährung der Menschen eine große Rolle spielen. Flavonoiden wird eine besonders hohe antioxidative Wirkung zugesprochen, die die von bekannten Antioxidanten wie Vitamin E um ein Weites übertrifft. Somit haben Flavonoide einen signifikanten Einfluss auf das Immunsystem und die Gesundheit des Menschen.  Medizinische Tests bestätigen sogar, dass die erhöhte Aufnahme von Flavonoiden durch die Nahrung das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, gestörter Blutgerinnung und sogar Lungenkrebs deutlich senkt.

Außerdem enthält die Brennnessel extrem viele Mineralstoffe wie Magnesium. Der Muskel- und Nervenmineralstoff Magnesium ist besonders wichtig für die Energiegewinnung im Körper, da er die über 300 Enzyme aktiviert, die den Energiestoffwechsel antreiben. Das macht Magensium zu einem wichtigen Spurenelement gegen Müdigkeit und Erschöpfung. Magnesium trägt außerdem grundlegend zum Aufbau von Knochen aber auch Muskeln bei und unterstützt die Eiweißsynthese im Körper, was Magnesium besonders für Sportler unabdingbar macht. Neben Magnesium braucht der Körper auch große Mengen an Kalzium. Auch diesen wichtigen Nährstoff, den der menschliche Organismus nicht produzieren, sondern nur durch die Nahrung aufnehmen kann, liefert uns die Heilpflanze Brennnessel in rauen Mengen, und zwar sechsmal so viel wie die gleiche Menge Kuhmilch. Kalzium versorgt Knochen und Zähne und stärkt deren Struktur bis ins hohe Alter. Neben Magnesium und Kalzium weist die Brennnessel einen hohen Anteil an Silizium auf, das ebenfalls nur über die Nahrung vom Körper aufgenommen werden kann. Silizium ist das Spurenelement, das für die Festigkeit und Elastizität des Gewebes im menschlichen Körper verantwortlich ist. Außerdem stärkt Silizium das Abwehrsystem und fördert die Wundheilung. Schon allein wegen  des hohen Gehalts dieser drei Nährstoffe zählt die Brennnessel also zu den Schutzpatronen des menschlichen Gewebes und seiner Knochen. Doch das ist längst nicht alles.

Von Fachkundigen nicht umsonst als Wunderwaffe bezeichnet, enthält die Brennnessel zusätzlich noch einen großen Vorrat an Vitamin A und Vitamin C. Genau genommen, nimmt man mit dem Verzehr von Brennnessel siebenmal mehr Vitamin C auf, als mit der vergleichbaren Menge an Orangen. Gut, dass sich Orangen und Brennnessel im saisonalen Erntekalender fast ablösen. Doch es ist vor allem der hohe Eisengehalt, der die Brennnessel zu einem wirkungsstarken Heilkraut gegen  Müdigkeit und Erschöpfung macht. Oft sind Erschöpfungserscheinungen nämlich eine Folge von Eisenmangel, der besonders bei Frauen und speziell bei Schwangeren und Wöchnerinnen auftritt. Brennnesseln versorgen den Organismus mit zwei- bis viermal so viel Eisen wie ein Rindersteak und enthalten dreimal so viel Eisen wie Spinat. Diese Eigenschaft macht das Brennnesselkraut auch besonders wichtig für die Ernährung von umweltbewussten Vegetariern und Veganern. Ein weiterer Vorteil für spezielle Diäten wie zum Beispiel fleischlose Ernährung oder den kompletten Verzicht auf tierische Nahrungsmittel, ist der 40%ige Eiweißanteil der Brennnessel. Damit liegt die Brennnessel weit vor dem oft „Ersatzlieferanten“ Soja und sollte auf keinem vegetarischen oder veganen Buffet mehr fehlen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Brennnessel sowohl Muskeln, Gewebe und Knochen als auch das Immunsystem, den Stoffwechsel und die Funktion von vielen Organen versorgt und stärkt. Sie entschlackt den Körper, senkt den Blutdruck, erhöht die Abwehrkräfte, fördert den Stoffwechsel, reinigt entzündete Harnwege, regt den Appetit an, löst Verstopfungen, lindert Menstruationsbeschwerden und wirkt sogar gegen Haarausfall.

Geschmack und Zubereitung

Wenn etwas so gesund ist, muss es doch schrecklich schmecken, könnte man gemeinerweise unterstellen. Denn wo liegt denn die Schwäche der Brennnessel? Offensichtlich auch nicht im Geschmack! Sorgfältig zubereitet schmeckt die Brennnessel ähnlich wie Spinat ist aber wesentlich aromatischer und etwas saurer. Schon in Notzeiten wurden Brennnesselblätter anstelle von Spinat oder Gartensalat verwendet, wodurch die Pflanze aber auch seinen schlechten Ruf als „Arme-Leute-Essen“ bekam und inzwischen nur noch als Unkraut angesehen wird.

Bei der Zubereitung von Brennnesselgerichten stößt man dann aber doch auf einen kleinen aber feinen Nachteil. Die brennenden Nesselhaare der Pflanze müssen vor dem Verzehr der rohen Brennnessel natürlich unschädlich gemacht werden, was aber bei genauerem Lesen der Rezepte auch kein großer Aufwand ist. Die Pflanzenteile in ein sauberes Tusch gewickelt und kräftig „ausgewrungen“ hat man sich schon aller möglichen Brennhaare entledigt. Auch durch sehr feines Schneiden mit einem Wiegemesser,  dem Pressen mit einem Nudelholz oder einer besonders gründlichen Dusche unter kräftigem Wasserstrahl können die feinen Haare entfernt werden. Durch Garen oder Blanchieren in heißem Wasser oder durch das Trocknen an der frischen Luft für Teerezepte werden die Nesselhaare ebenfalls sicher zerstört.

Rezepte und Ideen

Der kleine Naturkosthersteller Grüne Vogtei produziert im Naturpark Erzgebirge-Vogtland außergewöhnliche und wertvolle Naturprodukte aus Brennnesseln. Die schmackhaften und vor allem äußerst gesunden Bio-Lebensmittel werden unter dem passenden Namen Wellnessel angeboten und erfüllen alle Kriterien der biologischen, regionalen, gesunden und nachhaltigen Ernährung.

Für alle, die lieber selber Hand anlegen, habe ich folgende zwei besonders leckeren Rezepte:

Brennnesselspinat – beliebtes Gericht im Frühling

für 4 Personen

Zustaten:

- 2 große Schüsseln junger Spinat

- Butter

- Mehl

- Milch/ Sahne

- Salz

- Pfeffer

- Muskat

- Knoblauch

Zubereitung:

Verwenden Sie vor allem junge Brennnesseltriebe (bis zu 20 Zentimeter hohe Pflanzen, oder die ersten zwei bis vier Blattpaare größerer Brennnesselgewächse). Blanchieren Sie 2 große Schüsseln frisch gepflückter, junger Triebe und Blätter sehr kurz in kochendem Wasser und kühlen Sie die gegarten Blätter anschließend in kaltem Wasser. So behalten die Pflanzenteile Ihre saftig grüne Farbe. Schütteln oder pressen Sie das Wasser aus der nun garen Brennnesselmasse und hacken Sie die Blätter fein. Bereiten Sie eine Mehlschwitze aus Butter/ Pflanzenmagarine, Mehl und (Getreide-)Milch oder (Soja-)Sahne vor und geben Sie die Brennnesselmasse dazu. Alternativ können Sie den Brennnesselspinat auch nur mit (Soja-)Sahne anrichten. Würzen Sie die sahnig cremige Masse mit Salz, Pfeffer, Muskat und Knoblauch und reichen Sie den Spinat zum Beispiel als Beilage zu gekochten Eiern und Kartoffeln oder als würzige Soße für Pasta.

Brennnesselsuppe – für kalte Frühlingstage

Zutaten:

- 2 Schüsseln junge Brennnesseln

- 1 Stange Porree

- frischer Kerbel

- 2 große Kartoffeln

- 1 Zwiebel

- Knoblauch

- Gemüsebrühe

- Salz

- Pfeffer

- Muskat

- Sahne

- Créme Fraiche 

Zubereitung:

Waschen Sie 2 große Schüsseln Brennnessel, 1 Stange Porree und frischen Kerbel. Schälen und würfeln Sie ein bis zwei große Kartoffeln. Dünsten Sie eine geschnittene Zwiebel und etwas Knoblauch an und geben Sie die gewaschenen Kräuter dazu. Dünsten Sie alles solange bis die Brennnessel ich sich zusammenfällt bevor Sie die Kartoffelstückchen daruntermischen. Füllen Sie den Topf mit Gemüsebrühe auf, bis alles mit Wasser bedeckt ist und lassen Sie alles circa 20 bis 30 Minuten köcheln. Pürieren Sie die Gemüsesuppe und schmecken Sie die cremige Suppe mit Salz, Pfeffer und Muskat ab. Ziehen Sie ein wenig (Soja-)Sahne darunter und richten Sie die Suppe auf dem Teller mit einem Klecks Créme Fraiche oder Sojasahne an.