Heimische Früchte statt Flugobst

Ende Juli beginnen die fruchtbaren Tage der Beerenernte. Himbeeren, Brombeeren und Johannisbeeren versüßen dann wieder viele Mahlzeiten und bereichern das kulinarische Angebot der Backstuben. Doch die deutsche Botanik hat noch viel viel mehr zu bieten als die allseits bekannten rot behangenen Beerensträucher. Die fast schwarzen Holunderbeeren finden teilweise noch den den Weg in die heimischen Küchen, aber wer hat schon mal Schlehen, Sanddorn, Eberesche, Hagebutte oder Kornelkirsche verarbeitet? All diese heimischen Früchte sind, richtig zubereitet, ein Gaumenschmaus und auch noch sehr gesund. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil der Ernte dieser Früchte ist der extrem kleine CO2 Fußabdruck. Denn wer braucht schon Flugmangos und Neuseeländische Äpfel, wenn es doch Vitamine und Mineralstoffe aus dem nahegelegenen Waldstück gibt? Und auch alle in der Stadt ansässigen Liebhaber der deutschen Küche werden fündig, denn viele der wilden Sträucher wachsen auf brachliegenden Flächen in urbanen Gebieten. Also, Pflanzenbestimmungsbuch zur Hand und auf zur nächsten bewachsenen Freifläche, egal ob Stadt oder Land. Nur in Naturschutzgebieten ist das Pflücken von Früchten streng verboten, um den Waldboden und das ausbalancierte Zusammenspiel von Flora und Fauna nicht zu stören.

Brombeere

Die Brombeere, im Fachjargon Rubus sectio Rubus genannt, wächst vor allem auf kalk- und stickstoffhaltigen Böden in halbschattiger Lage. Wer sie nicht im eigenen Garten angepflanzt hat, kann Brombeeren  vor allem in lichten Wäldern und Waldrändern finden. Die blauschwarzen Brombeeren gehören streng genommen zur Gattung  der Sammelsteinfrüchte, da jede einzelne Beere, wie zum Beispiel die Kirsche, eigentlich eine Steinfrucht ist. Die Früchte des Brombeerstrauches sind besonders süß und aromatisch, zumindest wenn sie im reifen Zustand gepflückt werden. Ob eine Brombeere schon reif ist, erkennt man direkt beim Ernten. Die reife Frucht fällt einem schon beim leichten Ziehen direkt in die Hand. Muss etwas mehr Zugkraft angewendet werden, sollte man die Beere noch einige Tage in der Sonne m Strauch hängen lassen , bis sie gänzlich mit Zucker angereichert und reif ist. Der Großteil der Brombeerernte landet meist direkt im Mund, obwohl man aus Brombeeren herrliche Marmeladen, Gelees, Säfte,  Kuchen und Liköre zaubern kann. Doch der wohl bekannteste deutsche Beerenstrauch hat noch mehr zu bieten als seine süßen Früchte. In der Kräuter- und Naturheilkunde werden vor allem die Brombeerblätter hoch geschätzt. Die gerbstoffreichen Blätter des wildwachsenden Strauches helfen äußerlich angewendet besonders gut gegen unreine Haut. In Kräutermischungen und Tees helfen die angenehm schmeckenden zackigen Blätter gegen Durchfall und Mundschleimhautentzündung. Besonders lecker werden sommerliche Salate, denen eine Handvoll geschnittene Brombeerblätter hinzugefügt werden. 

Holunder

Der Holunder, auch Sambucus nigra, wächst praktischerweise meist direkt neben menschlichen Behausungen. Fast jeder Hinterhof und Vorgarten ist von einem Exemplar dieser vielseitig einsetzbaren Pflanze bewachsen. Wichtig zu wissen ist, dass tatsächlich nur die Beeren des Schwarzen Holunders genießbar sind, der aber glücklicherweise auch der bei weiten meist verbreiteteste Holunder in Deutschland ist. Während der Holunder uns im Frühjahr mit zarten Blüten beschenkt, die zu köstlichem Sirup und leicht süßen Desserts verarbeitet werden kann, können wir die vom Gewicht der Holunderbeeren herabhängenden Dolden im Hoch- und Spätsommer pflücken. Holunderbeeren enthalten sehr viel Vitamin C und stärken somit das Immunsystem als Ganzes. Doch auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs können durch den Verzehr von Holunderbeeren vorgebeugt werden. Manche Menschen reagieren empfindlich auf die schwach giftige Substanz Sambunigrin, die in den Holunderbeeren enthalten sind. Deswegen sollten Holunderbeeren nicht roh, sondern nur gegart zu sich genommen werden. Saft, Sirup, Marmelade, Gelle, rote Grütze und Likör aus Holunderbeeren sind also nicht mehr gesundheitsgefährdend. Besonders schmackhaft sind Rezepte in denen die leicht säuerlich bitteren Holunderbeeren mit süßen Früchten wie Äpfeln und Brombeeren kombiniert werden. Blattwerk und Grün des Holunderbusches sollten gänzlich gemieden werden, da sie abführend wirken.

Eberesche

Die Eberesche ist den meisten als Vogelbeere bekannt und hat etwas zu Unrecht den Ruf sehr giftig zu sein. Wie auch der Holunder gilt beim Genuss der Vogelbeeren: erst kochen, dann genießen. Die rohen Früchte der Eberesche enthalten die bittere Parasorbinsäure, die tatsächlich zu Magenproblemen führen kann. Doch abgekocht verwandelt sich die magenreizende Substanz zu Sorbinsäure, die nicht nur gut verträglich sondern sogar antibakteriell ist. So helfen die Ebereschebeeren als Mus verarbeitet gegen Appetitlosigkeit und Magenverstimmungen. Der unglaublich hohe Vitamin C Gehalt der Vogelbeeren, das Provitamin A und der Zuckeraustauschstoff Sorbit machen die Früchte zu einem für den Organismus besonders hochwertigen Lebensmittel. Da Vogelbeeren aber auch nach dem Abkochen noch sehr sauer schmecken, empfiehlt sich die Kombination mit süßen Früchten. Vogelbeeren sollten aber erst  geerntet werden, nachdem sie den ersten Frost abbekommen haben. Die getrockneten Blätter der Eberesche helfen als Tee gegen Bronchitis und Magenverstimmungen.