Babypflege zum Selbermachen

Weniger ist mehr! Kaum ein Gebiet, in dem dieser Leitsatz nicht schon geäußert wurde. Doch bei der Baby- und Kinderpflege sollten wir uns diesen Satz wirklich hinter die Ohren schreiben. So wie Babys am Anfang sehen, essen und krabbeln lernen müssen, muss sich auch die Haut ihre natürlichen Funktionen Stück für Stück erarbeiten. Dabei durchläuft die Haut einen jahrelangen Lernprozess, der nur in ganz besonderen Fällen von außen beeinflusst werden sollte. Denn die tatsächlichen Gründe für bestimmte äußerliche Hauterscheinungen und Symptome liegen oft viel tiefer als wir denken. Als unser größtes Sinnesorgan ist die Haut nämlich nicht nur eine schützende Hülle gegen äußere Einflüsse, sondern auch ein Spiegel der menschlichen Seele. Ein Grund mehr Hautirritationen nicht mit zinkhaltigen Salben zu unterdrücken, sondern ihr die Möglichkeit zu geben, selbst ihre Balance wiederzufinden und sich gegebenenfalls auf die seelische Suche nach Ursprüngen von Symptomen zu begeben.

Doch auch wer nicht auf die ganzheitlichen Ansätze der Naturheilkunde vertraut, sollte wissen, dass Babyhaut, im Gegensatz zur Haut von Erwachsenen, circa fünfmal dünner und dadurch wesentlich durchlässiger ist. Das bedeutet nicht nur, dass natürliche Umwelteinflüsse wie das Wetter die Haut der Kleinen mehr belasten, sondern auch, dass Inhaltsstoffe von Kosmetika und Pflegeprodukte einen viel schnelleren Weg in den Organismus unserer Schützlinge finden.

Deswegen sollten Neugeborene allein mit einem hochwertigen und unparfümierten Pflanzenöl gepflegt werden. Je weniger Schadstoffe und irritierende Substanzen in diesen Pflegeölen enthalten ist, desto besser. In der Regel reicht in den ersten Wochen eine ganz normales natives Olivenöl aus kontrolliert biologischem Anbau für die Pflege und Säuberung des Windelbereiches und zum Entfernen von Schmutz auf anderen Körperteilen. Anstatt der konventionellen Feuchttücher, die oft viele chemische Komponenten zur Lösung von Schmutzpartikeln enthalten, können Sie einige Tropfen eines natürlichen Pflanzenöls Ihrer Wahl in einen Papiertaschentuchspender geben, bis sich alle Tücher damit vollgesaugt haben, ohne zu tropfen. Oder Sie geben das Öl direkt vor der Reinigung des Körpers auf ein ungechlortes Taschentuch.

Für Babys, die sich nach der Geburt stark schuppen ist ein rückfettender Badezusatz empfehlenswert. Dieser kann auch aus einfachem Pflanzenöl bestehen. Babys mit extrem trockener Haut sollte eine leichte Pflegecreme aufgetragen werden, wobei stets darauf zu achten ist, dass möglichst wenige dafür aber besonders hochwertige Inhaltsstoffe verwendet werden. Besonders Martina Gebhardt Naturkosmetik und Sanoll Biokosmetik, deren Baby- und Kinderpflegeprodukte auf die notwendigsten Wirkstoffe reduziert sind, eignen sich für die Pflege von extrem sensibler und zu Allergie neigender Haut. Künstliche Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe und andere synthetische Zusätze sind absolutes Tabu in der täglichen Baby- und Kinderpflege. Wichtig ist auch möglichst schnell ein Produkt, beziehungsweise eine Produktserie, des Vertrauens zu finden und nicht ständig die Pflegeprodukte zu wechseln. Die verschiedenen Wirkstoffe können bei der noch unreifen und sich entwickelnden Haut schneller Hautirritationen hervorrufen und sogar Allergien fördern.

Ein besonders gereizter Teil des kleinen Körpers ist natürlich der Po. Egal ob Stoff- oder Wegwerfwindeln, der Babypo ist manchmal für Stunden in einem leicht feuchten und nicht besonders Atmungsaktiven Milieu gefangen. Natürlich entstehen dort schnell wunde Stellen und Entzündungen. Mit diesen unangenehmen Hautirritationen sollten Sie ihr Kind nicht allein lassen. Trotzdem gilt auch hier, den Körper die größtmögliche Chance zur Selbstheilung zu lassen, anstatt wichtige Körperfunktionen mit chemischen Substanzen zu ersetzen.

Hat Ihr Baby einen wunden Po, sollten Sie in erster Linie so viel Luft wie möglich an die gereizte Babyhaut lassen. Wechseln Sie die Windeln so oft wie möglich, auch wenn nur etwas Urin darin ist. Der Hautkontakt mit Urin und Stuhl lässt Hautreizungen viel schneller entstehen. Lassen Sie Ihr Kind beim Wickeln ruhig noch ein paar Minuten nackig strampeln, bevor Sie wieder eine Windel anziehen. Lassen Sie den Po auch beim Spielen im Freien frische Luft atmen und Sonnen tanken. So kann Ihr Baby außerdem die Bewegungsfreiheit ohne Windel genießen. Falls Ihr Kind noch nicht trocken sein sollte, können Sie die eine wasserfeste Stoffunterlage benutzen um den Untergrund vor Urin zu schützen. Ein schöner Nebeneffekt des windelfreien Spielens ist, dass das Trockenwerden zusätzlich unterstützt wird. Nutzen Sie vor allem die warme Jahreszeit um Ihrem Kind das ständige Windeltragen abzugewöhnen. Achten Sie auf die Signale Ihres Kindes und helfen Sie Ihm bei ersten Anzeichen von Harndrang sich im Freien zu erleichtern. Wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Kind nach einem FKK-Tag im Park oder im Sandkasten kleine rote Pickelchen am Po bekommt. Natürlich reizen auch Grashalme und Sandkörner die Haut, wobei diese Reaktionen in der Regel am nächsten Tag wieder beruhigt sind, während eine Windeldermatitis durch zu wenig Luft, Ihr Kind längerfristig stört.

Falls der Wunde Po sich nicht allein durch Luft und Liebe heilt, unterstützen Sie den Wundheilungsprozess mit natürlichen Hausmitteln, bevor Sie zu entzündungshemmenden Cremes greifen. So kann die Babyhaut lernen sich selbst zu heilen, anstatt die Schutzfunktion durch Zink und andere antiinflammatorische Wirkstoffe zu ersetzen.

Waschungen mit Kamillentee

Machen Sie einen Aufguss mit getrockneten Kamillenblüten beziehungsweise einem Beutel Kamillentee. Achten Sie bei der Auswahl der Kamillenblüten auf kontrolliert biologischen Anbau. Beim konventionellen Anbau von Kräutern und Früchten werden oft Schädlingsbekämpfungsmitttel und andere chemische Substanzen verwendet, die durch das Aufbrühen direkt in den Sud gelangen. Auf diese Stoffe sollte besonders bei empfindlicher und irritierter Haut verzichtet werden. Sieben Sie den Kamillensud ab bevor Sie ihn  abkühlen lassen. Reinigen Sie den wunden Po mit dem kalten Kamillensud ohne zu reiben. Tupfen Sie stattdessen die irritierte Haut vorsichtig mit einem weichen Stofftuch ab. Ältere Kinder können als Alternative auch kurze Sitzbäder in dem Kamillensud nehmen.

Waschungen mit Schwarzem Tee

Fortgeschrittene Entzündungen oder Windelsoor können mit Schwarzem Tee behandelt werden. Auch hier gilt, dass der Schwarze Tee ohne Aromastoffe und im besten Falle aus kontrolliert biologischem Anbau  sein sollte um die irritierte Haut vor zusätzlichen Reizen durch Schadstoffe zu schützen. Die Gerbstoffe des Schwarzen Tees reagieren mit den Hauteiweisen und bilden eine Art ledrige Schutzschicht, die äußere Reize abhält, Entzündungen hemmt, die Verbreitung von Keimen behindert und Wunden austrocknet. Für eine Waschung oder ein Sitzbad mit Schwarzem Tee sollten Sie eine große Menge Tee aufbrühen um einen möglichst starken Schwarztee mit einer hohen Konzentration an Gerbstoffen zu bekommen. Sieben Sie das Wasser ab und lassen Sie es abkühlen. Verwenden Sie den kalten Tee zum Abtupfen und Säubern des wunden Pos oder machen Sie lauwarme Sitzbäder. Über Nacht können Sie auch einen Beutel nicht aromatisierten Schwarztee in die Windel legen, damit die Gerbstoffe dort die Reizungen durch langen Hautkontakt mit Urin abmildern. 

Umschläge mit Kartoffel

Ein altbewährtes aber fast vergessenes Hausmittel gegen jegliche Form von Entzündung ist die Kartoffel. Da sie in fast jedem Haushalt vorrätig sind, sind Behandlungen mit Kartoffeln nicht nur sehr effktiv sondern auch praktisch. Für eine Kartoffelkompresse oder einen Kartoffelumschlag reiben Sie eine rohe Kartoffel und geben die Kartoffelmasse zwischen zwei Kompressen oder Mullbinden, sodass kein direkter Hautkontakt mit der Kartoffel entsteht und die Kartoffelmasse nicht vom Tuch fallen kann. Die Wirkstoffe des Wurzelgemüses ziehen entzündliche Stoffe aus dem Körper und lindern Hautirritationen schnell und natürlich. Anstelle von Kartoffel können Sie auch Quark verwenden.

Erst wenn diese natürlichen Hausmittel versagen, sollten Sie zu wirkstoffreicheren Cremes und Salben greifen um die Heilung der Haut zu unterstützen. Lassen Sie sich bei der Auswahl von Ihrer Hebamme oder Ihrem/Ihrer Kinderarzt/ärztin beraten.