Tradition trifft auf Moderne

Die Kultur des Räucherns ist eine der ältesten, belegten, rituellen Handlungen der Menschen. Schon vor Jahrhunderten hat die Tradition ihren Weg aus dem fernen Orient zu uns gefunden. Unsere Vorfahren warfen bereits ihre Räuchermischungen - bestehend aus Hölzern, Kräutern und Harzen - ins Feuer und stellten dabei fest, dass der entstehende Rauch einen wohltuenden Duft erzeugte. Zudem sorgte er für unterschiedliche Stimmungen. Daher wurden Räuchermischungen ursprünglich vor allem zu religiösen Anlässen genutzt. Man war und ist auch heute noch der Annahme, dass die zum Räuchern genutzten Kräuter und Zutaten heilende, sowie reinigende Wirkungen besitzen. Edle und exotische Düfte werden auch zum Meditieren eingesetzt. Moderne Räuchermischungen, mit alternativen Duftstoffen, führen diese Tradition heute weiter. Diese werden entweder einzeln extrahiert oder in Kombination mit weiteren Zutaten angeboten. Vor allem stimmungsvolle Düfte sind aktuell sehr beliebt und werden zum Entspannen, Ausruhen, Einschlafen, sowie die sinnliche Gestaltung besonderer Anlässe, wie Feierlichkeiten und vieles mehr, genutzt.

Weihrauch - das heilige Räucherwerk

Der Begriff stammt aus dem mittelhochdeutschen Sprachschatz und bedeutet heiliges Räucherwerk. Er galt in alten Brauchtümern und den Religionen der Antike als bestes Mittel für Rituale, Segnungen und Schutz. Heute wird er häufig als Grundlage zum Räuchern anderer Stoffe verwendet.

Die traditionelle, afrikanische Kulturpflanze ist seit Jahrhunderten bekannt. Aus dem mittlerweile stark bedrohten Weihrauchbaum, wird das Harz in einem langwierigen Verfahren gewonnen. Dabei unterscheiden sich die verschiedenen Harzsorten nach ihrer Anbauregion. Die klimatischen Einflüsse und regionalen Standortbedingungen beeinflussen die Reinheit des Harzes. Die Bäume müssen zudem ein gewisses Alter erreichen, damit von ihnen hochwertiges Weihrauchharz gewonnen werden kann. Auch der Zeitpunkt der Harzernte ist wichtig für die Qualität und Reinheit des Weihrauchs.

Reiner Weihrauch besteht ursprünglich aus einem komplexen Gemisch ätherischer Öle, Harze, sogenanntem Schleim und Proteinen. Hierzulande werden eher kostengünstige Mischungen angeboten, deren Bestandteile aus den ersten Ernten, mit weiteren Kräutern vermischt werden. Die Harzkristalle sind dabei satt gelb bis orangefarben. Sie können aber auch nahezu schwarz sein, was auf besonders frühe Ernten deuten lässt. Dahingegen ergeben spätere, hochwertige Ernten große, nahezu weiße Kristalle. Während der Duft des Weihrauchs bei frühen Ernten besonders harzig ausfällt und einen starken, weißen Rauch verursacht, riechen spätere Ernten sehr aromatisch und schwer, mit einer Nuance Zitrone. Der beim Verbrennen entstehende Rauch wird ebenfalls als Weihrauch bezeichnet.

Die verschiedenen Formen

  • Räucherstäbchen

    Die Sitte stammt aus Asien und ist eine der ältesten und damit die ursprüngliche Form Räucherwerk zu Verbrennen. Ursprünglich wurden die duftenden Stängel zu religiösen Zeremonien entzündet oder als kostbare Gabe in Tempeln aufgestellt. Der betörende Duft sollte den Göttern zum Genuss werden. Die Räucherstäbchen kamen erst spät, außerhalb der religiösen Rituale, in unseren Regionen zum Einsatz. Bei der Herstellung werden Räuchermischungen zu einer harzigen, zähen Paste verarbeitet. Diese wird im Anschluss an lange, dünne und getrocknete Pflanzenfasern (meist Bambus) gerieben, gerollt, gepresst oder geknetet. Nachdem die Stäbchen getrocknet sind, können sie in einen dafür vorgesehenen Räucherstäbchenhalter gesteckt und angezündet werden. Ein Räucherstäbchen darf nicht offen brennen, sondern sollte nur langsam glimmen. Auch die verbleibende Asche wurde ursprünglich weiter genutzt. Traditionelle japanische Räucherstäbchen werden ganz ohne Holz- oder Bambuskern hergestellt. Dadurch entstehen beim Räuchern keine unangenehmen Holzdüfte und die eigentlichen Räucherstoffe können unverändert genossen werden. Der Einsatz von Räucherstäbchen ist im Vergleich zur losen, krümeligen Räuchermischung deutlich einfacher zu handhaben und wesentlich sparsamer im Verbrauch. Hinzu kommt, dass durch die Nutzung von Bambusfasern ein besonders reiner Duft, mit sehr mildem Rauch entsteht. Beim Einsatz von Holzfasern ist der entstehende Rauch dichter, der Duft nicht ganz rein und Ruß kann entstehen.

  • Räucherkegel

    Die Räucherkegel funktionieren ähnlich wie die Räucherstäbchen. Nur wird hierbei kein zusätzliches Medium benötigt. Es handelt sich um kleine Kegel, die aus der Räuchermasse geformt und getrocknet wurden. Diese können danach direkt auf eine feuerfeste Unterlage gestellt und an der Spitze angezündet werden. Die Flamme wird kurz brennen gelassen und dann gelöscht, somit glimmt der Kegel vollständig ab.

  • Räuchermischungen

    In traditioneller Form werden Räuchermischungen aus den ursprünglichen Materialien, wie Kräutern, Pflanzen und Harzen, zusammengemischt. Das Ergebnis ist ein unterschiedlich locker-farbiges Gemisch aus verschiedenen, getrockneten und losen Zutaten. Diese werden meist auf eine spezielle Kohletablette zum Räuchern gestreut. Zur Vorbereitung wird die Kohle entzündet und in ein Räuchergefäß mit Sand gesetzt. Danach kommt die Räuchermischung direkt auf die glühende Kohle.

TIPPS zum Einstieg in die Welt der Räuchermischungen

Wenn Sie gerne “räuchern” möchten und sich noch nicht ganz sicher sind, wie die eigene Nase darauf reagiert, sollten Sie mit milden Hölzern wie Sandelholz, Zeder oder Kiefer beginnen. Wer Pflanzendüfte gerne mag kann auch Sandelholzpulver mit reinem ätherischen Öl mischen und anschließend verräuchern, dadurch entstehen keine unangenehmen Düfte.

Für reine Räuchermischungen brauchen Sie, neben einem Feuerzeug oder Streichholz, vor allem ein spezielles, feuerfestes Räuchergefäß. Auch Räucherkohle, Räuchersand und Räucherzange gehören zur Grundausstattung dazu. Wobei Räuchersiebe, die ganz ohne Kohle und Sand auskommen und nur mit einem Teelicht funktionieren, sich für Stövchen oder Weihrauchbrenner eignen. Die Räuchergefäße, in Form von Schalen, Stövchen, Kelchen oder schwenkbaren Gefäßen, werden mit Sand gefüllt. Obendrauf liegt ein glühendes Stück Kohle. Diese besondere Räucherkohle findet sich meist in kleinen runden Scheiben und hat einen etwas erhabenen Rand. Die Kohle wird mit einer Räucherzange gehalten und angezündet. Die entzündete Kohle wird dann auf den Sand gelegt. Danach wird Luft zu gefächert, um die Kohle komplett durch glimmen zu lassen. Bei der Verwendung von Naturkohle empfiehlt es sich nach dem Durchglimmen etwas Holzpulver auf die Kohle zu streuen. Die Kohle ist durchglimmt, wenn sie eine weiße beziehungsweise graue Farbe angenommen hat. Dann kann vorsichtig, eine gewisse Menge der körnigen Räuchermischung oder Einzelräucherung darauf gestreut werden. Gibt man Harze zu früh auf die Kohle, kann diese eventuell “ersticken”. Durch die große Hitze werden die brennbaren Inhaltsstoffe verbrannt und die ätherischen Duftstoffe verdampfen. Harze können auf einer glühenden Kohle allerdings sehr schnell verbrennen, da die Kohle kann bis zu 800°C heiß werden kann. Streuen Sie hierfür ein bisschen Räuchersand direkt auf die Kohle und dann erst das Harz darauf. Dadurch wird die Hitzeentwicklung etwas gedämpft und die aromatischen Harze können länger genossen werden. Die Kohle sollte dennoch auf genügend Räuchersand liegen.

WICHTIG!
Es wird empfohlen bei geöffnetem Fenster zu räuchern oder danach gut durch zu lüften. Nach dem Räuchervorgang muss, die im Kern noch glühende, Kohle gelöscht werden um etwaige Brandgefahr zu vermeiden. Dafür wird die Kohle, am Besten mit einem großen Löffel, aus dem Räuchergefäß genommen und unter Wasser gehalten. Das Räuchergefäß und Räucherwerk nie unbeaufsichtigt glimmen lassen. Von Kindern und brennbaren Materialien fernhalten. Achten Sie darauf, dass Ihr Räuchergefäß auf einem feuerfesten Untergrund steht.

Räuchern der fünf Elemente

In der traditionellen, chinesischen Naturheilkunde gibt es die Theorie über die fünf Elemente. Denen werden von den körperlichen Funktionen - über die wesentlichen emotionalen Stimmungen, bis hin zur spirituellen Entwicklung - Bedeutungen zugeordnet. Das Ziel dabei ist, die negativen Impulse der jeweiligen Elemente wahrzunehmen und durch geeignete Maßnahmen, deren positiven Aspekte zu fördern. So soll ein gleichmäßiger Fluss im Kreislauf der fünf Elemente, die auf uns wirken, wieder hergestellt oder bewahrt werden. Eine traditionelle Methode dafür ist die Besinnungsräucherung, bei der wir durch geeignete Räucherstoffe in kleinen Ritualen, diese Balance erreichen und erhalten können.

Zu den einzelnen Elementen:

  • Feuer

    Feuer ist das Symbol des Verbrennens. Sein emotionales Wesen ist Leidenschaft, Freude und wohlwollende Freundlichkeit (Zuneigung). Das Element Feuer steht in diesem Zusammenhang für das Gemüt des Herzens, sowie den Emotionen Freude und Liebe. Aus dem Feuer geht als Asche die Erde hervor.

  • Erde

    Erde ist die haltende und nährende Kraft in der Welt. In ihrem Wesen finden wir Vernunft, aber auch tiefes Grübeln und Gedankenmuster. Erde steht für den Verstand und unsere Gedanken. Sind unsere Gedanken verwirrt, verlieren wir den klaren Blick. Emotionen, welche dem Element Erde zugeordnet werden, sind Nachdenklichkeit und Mitgefühl. Durch Verdichtung und Zeit bringt sie das Element Metall hervor.

  • Metall

    Metall ist klar, scharf und rein. Es kann sowohl schützen als auch verletzen. In seinen Wesensaspekten beinhaltet es Achtsamkeit, Ehrlichkeit, Ehrfurcht, aber auch Trauer. Metall steht in diesem Zusammenhang für Klarheit. Sind wir uns nicht im Klaren, werden wir unsicher und distanziert. An Metall entsteht durch Kondensation Wasser, somit fördert es die Entstehung von Wasser.

  • Wasser

    Wasser kann sanft und ebenso fest sein. Es birgt in der Tiefe und auch im emotionalen Bereich enorme Stille und Ruhe. Durch seine dunklen und kühlen Eigenschaften kann es sich auch als Angst offenbaren. Wasser wird allgemein als friedlich empfunden, kommt es aber zu Unruhen oder regnet es sehr stark, überschwemmt das Wasser ganze Landstriche und reißt sogar die größten Schiffe mit sich. Ein unruhiges Gemüt lässt uns nicht mehr schlafen und hindert uns daran unseren Weg zu gehen. Emotionen und Ausdruck von Wasser sind Angst und Weisheit. Wasser nährt die gesamte Pflanzenwelt und damit das Holz.

  • Holz

    Holz bedeutet das Sprießen und Wachsen in der Pflanzenwelt. Hört der Wandel auf, kommt es zu Stillstand, Verdichtung und oft zum Zerbrechen. So finden wir als Wesenszüge Heiterkeit, Gelassenheit, Zufriedenheit, Mitleid, aber auch Wut. Die Pflanzenwelt dient der gesamten Tierwelt als Brennstoff (Nahrung), somit nährt Holz das Feuer.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Ausprobieren und viele besinnliche Momente mit Ihrem Räucherwerk von Diesen-Samstag.com!